Wenn globale Krisen das Inselleben treffen: Kroatiens kleine Bootsbauer schlagen Alarm

Wir leben in einem „globalen Dorf“ – eine Phrase, die oft abstrakt klingt, bis man die konkreten Auswirkungen auf kleine, traditionelle Familienbetriebe sieht. Eine aktuelle Reportage des Staatlichen Fernsehens HRT beleuchtet genau dieses Phänomen: Im Fokus stehen die kleinen Bootsbauer an der dalmatinischen Küste, die derzeit massiv unter den globalen Preisanstiegen leiden.

Tradition trifft auf harte Realität

Auf der malerischen Insel Pašman betreiben die drei Brüder Kuštera eine kleine Werft. Sie haben das Handwerk von ihrem Vater geerbt und den Betrieb erfolgreich in die Moderne geführt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, stellten sie die Produktion vor Jahren von traditionellen Holzbooten auf praktischere Kunststoffboote um. Mit großem Erfolg: In über 20 Jahren haben sie mehr als 1.000 ihrer beliebten kleinen Kunststoffboote, der sogenannten „Petnaestica“ (Fünfzehner), gefertigt. Doch heute blicken die Brüder mit großer Sorge in die Zukunft.

Foto: Brüder Kuštera / Screenshot HRT

Der Preis der Globalisierung

Das Hauptproblem liegt in den Lieferketten und den Materialkosten. Die Kunststoffboote werden aus Polyester und Harz gefertigt – beides Nebenprodukte der Erdölindustrie. Während das Rohöl oft aus dem Nahen Osten stammt, beziehen die Brüder das fertige Harz aus Deutschland. Die geopolitischen Konflikte und Kriege schlagen nun unerbittlich auf die Produktionskosten auf der kleinen kroatischen Insel durch.

Damir Kuštera macht die dramatische Lage an konkreten Zahlen fest: Aktuell kostet ein 220-Kilogramm-Fass Harz noch etwa 300 Euro. Doch er befürchtet, dass der Preis schon im nächsten Monat auf 400 bis 500 Euro klettern könnte. Sein Bruder Mirko bringt es auf den Punkt: „Wenn Öl teurer wird, wird automatisch auch Plastik teurer.“

Foto: Screenshot HRT

Die Angst vor dem Existenzverlust

Die Situation ist ernst. „Wenn das so weitergeht, befürchte ich, dass wir bald hundert Prozent höhere Preise haben werden“, warnt Damir. Mehr noch: Es stellt sich mittlerweile die bange Frage, ob die Rohstoffe wie Polyester überhaupt noch zuverlässig geliefert werden können.

Die Erinnerungen an die globale Wirtschaftskrise von 2008 sind in der Branche noch schmerzhaft präsent. Damals fegte die Rezession wie ein Sturm durch die Reihen der kleinen Bootsbauer in Kroatien. Von einst etwa 120 kleinen Familienbetrieben überlebte nur rund ein Viertel. Nun droht der ohnehin schon geschrumpften Branche ein erneuter, harter Überlebenskampf.

Fazit: Alles ist miteinander verbunden

Die Geschichte der Brüder Kuštera ist ein Paradebeispiel dafür, wie stark unsere Welt vernetzt ist. Ein Konflikt, der Tausende Kilometer entfernt tobt, bedroht die Existenz eines ehrlichen Handwerksbetriebs auf einer friedlichen Adriainsel. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Lage auf den globalen Rohstoffmärkten rechtzeitig stabilisiert – damit Familienunternehmen wie dieses nicht endgültig von der Bildfläche verschwinden und die legendären Boote auch weiterhin in Dalmatien vom Stapel laufen können.

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