Kroatiens „Apartment-Schwarzmarkt“ unter Beschuss: was bedeutet das für die Gäste?

Ein aktueller Bericht der Nachrichtenplattform Morski.hr sorgt für Aufsehen.
Das Ergebnis staatlicher Inspektionen ist alarmierend: Jedes dritte Apartment in Kroatien wird illegal vermietet. Was bedeutet das für den Tourismus, die Einheimischen und die Zukunft des Urlaubslandes? Wir werfen einen Blick auf die Hintergründe und die drastischen Maßnahmen, die nun folgen sollen.

Die Grauzone: Wenn das Gästezimmer zum „Geist“ wird

In Kroatien gibt es offiziell Hunderttausende Betten in privater Unterkunft. Doch neben den legal registrierten Vermietern, die Steuern zahlen und ihre Gäste ordnungsgemäß anmelden, hat sich ein riesiger Schattenmarkt etabliert. Vor allem in sogenannten „nicht-kommerziellen“ Unterkünften – oft als Ferienhäuser für Freunde und Familie deklariert – findet laut Behörden massenhaft illegale Vermietung statt.

Die Folgen sind weitreichend:

  • Unfairer Wettbewerb: Legale Vermieter kämpfen mit Preisdumping durch jene, die keine Abgaben leisten.
  • Wohnungsnot: Da Immobilien als reine Renditeobjekte für den Schwarzmarkt genutzt werden, finden Einheimische kaum noch bezahlbaren Wohnraum.
  • Steuerausfälle: Dem Staat entgehen Millionenbeträge, die eigentlich in die Infrastruktur fließen sollten.

Die Regierung erklärt den „Krieg“

Die kroatische Regierung will diesem Treiben nun nicht mehr länger zusehen. Tourismusminister Tonči Glavina kündigte an, dass bis Mai ein neues Gastgewerbegesetz (Zakon o ugostiteljskoj djelatnosti) auf den Weg gebracht wird. Das Ziel: Ein „Krieg gegen das illegale Vermieten“.

Die wichtigsten geplanten Änderungen:

  1. Digitale Total-Überwachung: Ab Juni 2026 (im Einklang mit EU-Vorgaben) muss jedes Apartment eine eindeutige Registrierungsnummer besitzen. Ohne diese Nummer dürfen Plattformen wie Airbnb oder Booking.com die Unterkunft gar nicht erst listen.
  2. Direkter Draht zum Finanzamt: Die Daten der Buchungsplattformen sollen täglich mit der Steuerverwaltung abgeglichen werden. Ein Betrug wird dadurch technisch fast unmöglich.
  3. Zustimmung der Nachbarn: Wer in einem Mehrparteienhaus touristisch vermieten will, braucht künftig die Zustimmung von zwei Dritteln der Miteigentümer. Das soll den Wildwuchs in Wohngebieten stoppen.
  4. Härtere Strafen & lokale Kontrollen: Kommunale Aufseher und Tourismusverbände erhalten mehr Befugnisse, um Steuersünder direkt vor Ort zu belangen.

Was bedeutet das für Reisende und Vermieter?

Für Vermieter, die bisher „unter dem Radar“ agiert haben, werden die Zeiten ungemütlich. Die Übergangsfristen sind kurz, und die digitale Vernetzung lässt kaum noch Schlupflöcher.

Für Touristen könnte dies kurzfristig zu leicht steigenden Preisen führen (Experten rechnen mit 10-12 %), da die Kosten für die Legalisierung umgelegt werden. Langfristig profitiert der Gast jedoch von mehr Transparenz, Sicherheit und einer besseren Qualität der Unterkünfte.

Qualität vor Quantität

Kroatien steht an einem Wendepunkt. Der Fokus verschiebt sich weg vom unkontrollierten Massentourismus hin zu einem nachhaltigeren Modell, das die Lebensqualität der Einheimischen schützt. Wer seinen Urlaub in Kroatien liebt, sollte darauf achten, bei zertifizierten und legalen Gastgebern zu buchen – denn nur so bleibt die Schönheit der Adria auch für künftige Generationen erhalten.

1 Kommentar
  1. Gesetze sind massenhaft vorhanden. Nur kontrollieren tut diese niemand. Wie der Wildwuchs an Hausbaustellen wo Müll verbrannt wird, sich nicht an die Bauordnung gehalten wird und weder die Bauinspektion einschreiten noch die Gemeinde.

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