Der Naturpark Telašćica auf der Insel Dugi Otok setzt einen neuen Standard für den Schutz mariner Ökosysteme in der Adria. Mit einem Investitionsvolumen von rund 2,54 Millionen Euro – größtenteils finanziert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung – wird derzeit das Projekt „Ökologisches Ankerplatz-System zur Erhaltung mariner Lebensräume“ umgesetzt.
Im Zentrum der Maßnahmen stehen der Schutz der Seegraswiesen (Posidonia oceanica) sowie die Überwachung der Wasserqualität durch moderne Sensorik.
Die Problematik konventioneller Verankerungen
Bisher wurden Bojenfelder in der Region überwiegend mit schweren Betonblöcken gesichert. Diese Methode hat zwei gravierende ökologische Nachteile:
- Flächenversiegelung: Der massive Betonblock begräbt das darunterliegende Ökosystem.
- Mechanische Zerstörung: Bei Wellengang und Windbewegungen schleifen die schweren Eisenketten der Bojen über den Meeresboden. Dieser sogenannte „Schleppeffekt“ radiert die empfindlichen Posidonia-Wiesen in einem Radius um den Ankerblock regelrecht aus.
Die Technik: Ökologische Schraubanker und elastische Leinen
Die in Telašćica neu installierten Systeme verzichten auf massive Gewichte am Boden. Stattdessen kommen technologisch fortschrittliche Lösungen zum Einsatz:
- Schraubanker (Screw Anchors): Ähnlich wie eine riesige Schraube werden diese Anker tief in den sandigen oder sedimentären Meeresboden gedreht. Sie beanspruchen nur eine minimale Fläche von wenigen Quadratzentimetern und bieten dennoch eine extrem hohe Zugfestigkeit.
- Manta-Ray-Anker: In Gebieten mit härterem Untergrund werden Klappanker verwendet, die in den Boden getrieben und dann unter Zug „aufgespreizt“ werden, ohne die Oberflächenstruktur großflächig zu verletzen.
- Elastische Verbindungssysteme: Anstelle von schweren Stahlketten werden spezielle elastische Kunststoffleinen verwendet. Diese stehen unter permanenter Spannung. Dadurch wird verhindert, dass die Leine den Meeresboden berührt oder darauf scheuert, selbst wenn sich das Boot direkt über dem Ankerpunkt befindet.
Durch diese Kombination bleibt das Posidonia-Seegras, das als lebenswichtige Kinderstube für Fische und als bedeutender CO₂-Speicher fungiert, bis unmittelbar an den Ankerpunkt erhalten.
Überwachung der Abwassereinleitung
Ein weiterer Kernpunkt des Projekts ist die Bekämpfung illegaler Abwassereinleitungen. Telašćica führt ein technisches Überwachungssystem ein, das auf Sensorik basiert:
- Automatisierte Kontrolle: In den Ankerbereichen wird die Wasserqualität kontinuierlich überwacht. Abweichungen, die auf das Ablassen von Schwarzwasser (Fäkalien) oder Grauwasser hindeuten, werden elektronisch erfasst.
- Nutzung von Drohnen und Rangern: Die technischen Daten werden mit verstärkten Patrouillen kombiniert, um Verstöße gegen die strengen Umweltauflagen des Naturparks zu ahnden.
Strategisches Ziel: Nachhaltiger Nautik-Tourismus
Das Projekt verfolgt das Ziel, den Naturpark Telašćica als Modellregion für nachhaltigen Tourismus zu etablieren. Neben der technischen Infrastruktur umfasst das Vorhaben auch bildungspolitische Maßnahmen:
- Entfernung alter Infrastruktur: Im Zuge der Arbeiten werden alle alten, schädlichen Betonblöcke vom Meeresgrund geborgen und fachgerecht entsorgt.
- Eco-Pledge-Kampagne: Nautiker werden aktiv in den Schutzprozess eingebunden, um ein Bewusstsein für die Sensibilität des Ökosystems zu schaffen.
Die Modernisierung der Ankerplätze in Telašćica ist ein notwendiger Schritt, um die ökologische Integrität der Adria trotz hoher Besucherzahlen zu bewahren. Für Nautker bedeutet dies eine Umstellung auf modernere Bojenfelder, die jedoch langfristig die Qualität des Reviers und die Klarheit des Wassers sichern.
Die Arbeiten werden unter biologischer Aufsicht durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Installation der neuen Anker die vorhandene Flora nicht beeinträchtigt.

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