Jackpot oder Justizskandal? Wie ein 800.000-Euro-Grundstück in Istrien für 10.000 Euro über den Tisch ging

Es ist eine Geschichte, die direkt aus der Rubrik „Kaum zu glauben, aber wahr“ stammen könnte wurde von Dalmacija Danas recherchiert.
Im idyllischen kroatischen Küstenort Lovran sorgt ein unglaublicher Immobilien-Deal derzeit für reichlich Aufsehen – und für ungläubiges Kopfschütteln. Ein hochattraktives, 8.000 Quadratmeter großes Grundstück mit einem Schätzwert von sage und schreibe 800.000 Euro wechselte quasi für ein Taschengeld von 10.000 Euro den Besitzer. Wie ist das überhaupt möglich?

Der Trick mit dem Gesetz

Im kleinen Ortsteil Zaheji bei Lovran herrscht Schockstarre. Eine den Einheimischen völlig unbekannte Person konnte sich ganz offiziell als Eigentümer dieses massiven Grundstücks ins Grundbuch eintragen lassen. Anwohner beteuerten in Medienberichten, dass sie diese Person noch nie auf dem Gelände gesehen haben, geschweige denn wussten, dass sie einen Anspruch darauf erhebt.

Das rechtliche “Zauberwort”, das diesen Coup möglich gemacht hat, nennt sich in Kroatien „Pojedinačni ispravni postupak“ (kurz PIP) – ein spezielles gerichtliches Grundbuchverfahren. Die unglaubliche Gesetzeslücke dahinter: Um sich als Eigentümer eines verwilderten oder scheinbar herrenlosen Grundstücks eintragen zu lassen, reichte dem Gericht offenbar die Aussage von zwei Zeugen, die das angebliche Eigentum bestätigten.

Die Behörden weisen die Verantwortung von sich

Wie kann ein Gericht so einem fragwürdigen Deal zustimmen? Das zuständige kroatische Justizministerium reagierte eher kühl. Man teilte mit, dass die Richterinnen in ihren Verfahren unabhängig entscheiden. Sollte sich jemand in seinen Rechten verletzt fühlen, stünde es ihm frei, eine Zivilklage auf Berichtigung einzureichen.

Besonders brisant: Die Gemeinde Lovran ist eigentlich zu 50 Prozent Miteigentümerin genau dieses Grundstücks! Der Bürgermeister von Lovran, Bojan Simonič, schlägt nun Alarm.
Er weist darauf hin, dass dies leider kein Einzelfall sei. Immer wieder würden unbekannte Personen auf diese Weise an verwilderte Grundstücke gelangen, um die sich scheinbar niemand mehr kümmert. “Tatsache ist, dass jeder weiß und versteht, was hier passiert. Solche Dinge dürfen einfach nicht zugelassen werden”, betonte Simonič.

Ein Fall für die Gerichte

Die lokale Gemeinschaft in Lovran muss nun juristische Hebel in Bewegung setzen, um zu verhindern, dass ihnen ihr Anteil an dem millionenschweren Stück Land durch diesen Trick endgültig entgleitet.

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