Kroatiens „Perle der Adria“ ist zweifellos atemberaubend schön – aber leider auch heillos überlaufen. Wer in den Sommermonaten durch die historischen Gassen von Dubrovnik spaziert, muss oft viel Geduld mitbringen. Eine Auswertung bestätigt nun das, was viele Besucher und Einheimische längst spüren: Nirgendwo in Europa ist das Verhältnis zwischen Touristen und der lokalen Bevölkerung so extrem wie hier.
Der unangefochtene (und zweifelhafte) Spitzenreiter
Laut aktuellen Daten des Ferienhaus-Portals Holidu (basierend auf Zahlen von Euromonitor) führt Dubrovnik das Ranking der Städte mit dem stärksten „Overtourism“ an. Auf jeden der knapp über 40.000 Einwohner der Stadt kommen sagenhafte 27,4 Touristen!
Damit lässt die kroatische Küstenstadt andere berüchtigte Touristen-Hotspots weit hinter sich.
Zum Vergleich: Die griechische Insel Rhodos landet mit 26,3 Touristen pro Einwohner auf Platz zwei, während das chronisch überfüllte Venedig mit einem Verhältnis von 21,3 „nur“ den dritten Platz belegt.

Wie konnte es so weit kommen?
Dubrovnik war dank seiner malerischen Architektur und der perfekten Lage am Mittelmeer schon immer ein Touristenmagnet. Doch der absolute Hype begann vor einigen Jahren durch die Kultserie Game of Thrones. Als Kulisse für die Hauptstadt „Königsmund“ (King’s Landing) zog die Stadt plötzlich Heerscharen von Serienfans aus der ganzen Welt an.
Hinzu kommen weitere treibende Faktoren:
- Kreuzfahrtschiffe: In der Hochsaison spucken gigantische Schiffe täglich Tausende von Tagesgästen aus, die oft nur wenige Stunden bleiben, aber die kleine Altstadt komplett verstopfen.
- Billigflüge: Die Stadt ist aus ganz Europa schnell und günstig für einen Wochenend-Trip erreichbar.
- Kurzzeitvermietungen: Plattformen wie Airbnb boomen, was dazu führt, dass immer mehr Wohnraum in Touristenunterkünfte umgewandelt wird.
Die Folgen für die Einheimischen
Für die Bewohner von Dubrovnik ist der Massentourismus ein zweischneidiges Schwert. Zwar lebt die Region wirtschaftlich stark vom Tourismus, doch die Lebensqualität leidet extrem. Die Straßen sind überfüllt, die Infrastruktur ächzt unter der Belastung, und Mieten werden für Normalverdiener unbezahlbar. Das hat zur Folge, dass die historische Altstadt langsam ausstirbt – heute leben dort nur noch rund 1.500 Einheimische, während es 1991 noch etwa 5.000 waren.
Dubrovnik zieht die Notbremse
Die Stadtverwaltung tatenlos zuzusehen, gehört glücklicherweise der Vergangenheit an. Um den Ansturm zu bewältigen und die Stadt sowohl für Einheimische als auch für Gäste wieder lebenswerter zu machen, wurden bereits erste Maßnahmen ergriffen:
- Limitierung der Kreuzfahrtschiffe: Es dürfen maximal zwei Schiffe mit insgesamt nicht mehr als 5.000 Passagieren pro Tag anlegen.
- Digitale Ticketsysteme: Der Zugang zu den berühmten Stadtmauern wird besser reguliert, um Staus zu vermeiden.
- Fokus auf die Nebensaison: Touristen sollen gezielt dazu animiert werden, im Frühling, Herbst oder Winter anzureisen.
Unser Tipp für deine Reise
Dubrovnik ist und bleibt ein magischer Ort, den man einmal im Leben gesehen haben sollte. Wenn du die Stadt jedoch wirklich genießen möchtest, meide unbedingt die Hochsommermonate Juli und August. Im späten Frühling oder goldenen Oktober entfaltet die Stadt ihren wahren Charme – ganz ohne das Gefühl, sich in einem überfüllten Freizeitpark zu befinden.
