Verbotene Schönheit: Warum man sich diesem kroatischen See auf keinen Fall nähern darf

Wer auf der Suche nach unberührter Natur die Insel Cres besucht, wird auf ein faszinierendes Phänomen stoßen: Ein atemberaubender See, der strengstens vor den Menschen geschützt wird.

Der Vransko jezero (Vrana-See) auf Cres (nicht zu verwechseln mit dem Vransko Jezero bei Pakoštane!) ist ein Ort, von dem das Überleben zweier ganzer Inseln abhängt, der von Wissenschaftlern seit Jahrzehnten akribisch studiert wird – und den man nur aus der Ferne bewundern darf.

Die Lebensader von Cres und Lošinj

Auf den ersten Blick wirkt der Vrana-See mit seinem türkisblauen Wasser, eingebettet in grüne Wälder und die raue Karstlandschaft, wie der perfekte Ort für eine sommerliche Erfrischung. Doch der Schein trügt: Baden, Bootfahren, Angeln oder auch nur das Spazieren am Ufer sind hier strikt verboten.

Der Grund dafür ist existenziell: Der See ist das einzige und wichtigste Trinkwasserreservoir für die Inseln Cres und das benachbarte Lošinj. Ohne dieses natürliche Süßwasserbecken wäre das Leben für die Einheimischen und der Tourismus auf den beiden Inseln schlichtweg unmöglich. Um diese unschätzbare Wasserqualität (die Sichtweite unter Wasser beträgt teilweise bis zu 25 Meter!) zu erhalten, wurde das Gebiet zur absoluten Sperrzone erklärt.

Ein fragiles ökologisches Gleichgewicht

Geologisch gesehen ist der etwa 12.000 Jahre alte See ein faszinierendes Wunder – eine sogenannte Kryptodepression. Das bedeutet, dass die Wasseroberfläche über dem Meeresspiegel liegt, der Grund des Sees sich jedoch mit einer beachtlichen Tiefe von bis zu 74,5 Metern weit darunter befindet.

Im Untergrund tobt ein ständiger und unsichtbarer Kampf zwischen Süß- und Salzwasser. Der enorme Druck des Süßwassers im See hält das Meerwasser, das durch die porösen Karstfelsen drücken möchte, fern. Würde der Wasserspiegel zu stark sinken, würde dieser Druck nachlassen. Das Meerwasser könnte tief eindringen, den See versalzen und ihn als Trinkwasserquelle unwiderruflich zerstören.

Mythen, Feen und ein versunkenes Schloss

Wo die Natur so unberührt und unzugänglich bleibt, ranken sich schnell Legenden. Der See, der nach dem kleinen Nachbardorf Vrana benannt ist (ein Name, den der italienische Naturforscher Alberto Fortis im 18. Jahrhundert prägte), bietet Stoff für viele alte Sagen:

  • Das versunkene Schloss: Einer lokalen Legende nach stand an der Stelle des Sees einst das Schloss einer reichen, aber hartherzigen Schwester, die ihrer armen Schwester in der Not die Hilfe verweigerte. Als göttliche Strafe wurde das Schloss durch ein Erdbeben zerstört und von den Wassermassen verschluckt. Bis heute erzählt man sich, dass sich Fischernetze an den Türmen verfangen und man in stürmischen Nächten das unheimliche Läuten der Schlossglocken aus der Tiefe hören kann.
  • Die Feenhöhlen: Eine andere Überlieferung besagt, dass die versteckten Höhlen in den Felswänden rund um den See der Wohnort von Feen sind.

Auch wenn Wissenschaftler auf dem Grund des Sees weder ein Schloss noch Fabelwesen, sondern lediglich Aale und einige Fische gefunden haben, trägt die Folklore zur Magie des Ortes bei.

Wie man den See trotzdem erleben kann

Auch wenn Sie Ihre Hände nicht in das kühle Nass tauchen dürfen, müssen Sie auf diesen spektakulären Anblick bei einem Kroatien-Urlaub nicht verzichten. Um den See herum gibt es speziell angelegte Aussichtspunkte (Vidikovci). Von diesen hochgelegenen Orten aus lässt sich das glitzernde Wasser sicher und völlig legal fotografieren.

Der Vrana-See auf Cres ist der ultimative Beweis dafür, dass die schönsten Orte unserer Erde manchmal genau deshalb so magisch und lebensrettend bleiben, weil der Mensch ausnahmsweise auf Distanz gehalten wird.

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