Derzeit wird in Pula ein Bauprojekt in Angriff genommen, das nicht nur in die Zukunft weist, sondern auch ein über 100 Jahre altes historisches Erbe vollendet: Die umfassende Erneuerung und Erweiterung des berühmten Wellenbrechers (Pulski lukobran) hat offiziell Fahrt aufgenommen. Es ist ein absolutes Meilenstein-Projekt für die Sicherheit und Wirtschaft der gesamten Region Istrien.
High-Tech-Start: Ein „Digitaler Zwilling“ für den Wellenbrecher
Derzeit befindet sich das Großprojekt, das von der Firma Pomgrad Inženjering durchgeführt wird, in einer hochspannenden Vorbereitungsphase. Bevor schweres Gerät die Hauptbauarbeiten übernimmt, setzen die Ingenieure auf modernste Technik.
Wie der Direktor der Hafenverwaltung Pula, Dalibor Brnos, kürzlich erklärte, wurden in den letzten Wochen detaillierte Unterwasseraufnahmen der vertikalen Mauern des Wellenbrechers gemacht. In Kombination mit Luftbildaufnahmen von Drohnen wird daraus ein 3D-digitaler Zwilling des gesamten Bauwerks erstellt. Dieses hochpräzise digitale Modell ermöglicht es den Bauteams, den exakten Zustand der Unterwasserstruktur zu analysieren, bevor der eigentliche physische Eingriff beginnt. Parallel dazu wurden bereits die Baustelleneinrichtungen und Zugangswege vorbereitet.
Die Fakten: 1.200 Meter Sanierung und ein historischer Lückenschluss
Das Projekt ist gewaltig und umfasst zwei Hauptziele:
- Die Sanierung: Die bestehende, 1.200 Meter lange Struktur des Wellenbrechers wird strukturell massiv verstärkt, um den modernen Anforderungen standzuhalten.
- Die Erweiterung: Zusätzlich werden knapp 146 Meter des Wellenbrechers komplett neu gebaut. Damit wird eine Lücke „geschlossen“, die ursprünglich für Schiffe offen gelassen wurde, heute aber den Schutz der Bucht mindert.
Die Bauzeit ist auf 20 Monate angesetzt, was eine Fertigstellung im Laufe des Jahres 2027 erwarten lässt.
Ein 26,9-Millionen-Euro-Projekt dank EU-Mitteln
Ein solches Vorhaben ist finanziell ein Kraftakt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf stolze 26,9 Millionen Euro. Den Löwenanteil davon trägt die Europäische Union: Rund 18,3 Millionen Euro (ca. 85 % der Kosten) fließen als nicht rückzahlbare Fördermittel aus dem EU-Programm Connecting Europe Facility (CEF). Der Rest wird vom kroatischen Ministerium für Meer, Verkehr und Infrastruktur kofinanziert. Für die Stadt Pula und die Gespanschaft Istrien wäre dieses Projekt im Alleingang nicht zu stemmen gewesen.
Ein Erbe der k.u.k. Monarchie wird endlich vollendet
Die Geschichte des Wellenbrechers liest sich wie ein historischer Roman. Der Bau begann zwischen 1910 und 1914 und war damals die größte maritime Investition der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine. Hunderttausende Kubikmeter Stein und Beton wurden in der Bucht versenkt. Der ehrgeizige Plan sah vor, die Bucht komplett zu schützen. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der anschließende Zerfall des Imperiums brachten die Arbeiten abrupt zum Erliegen.
Über ein Jahrhundert lang trotzte diese unvollendete und im Laufe der Zeit beschädigte Struktur den Naturgewalten der Adria. Jetzt, weit über 100 Jahre später, wird der Traum der damaligen Ingenieure endlich Realität.
Was bedeutet das für Pula und seine Besucher?
Der neu gestaltete Wellenbrecher ist weit mehr als nur ein Haufen Beton und Stein im Meer. Er bietet robusten Schutz für die gesamte Bucht von Pula vor extremen Wetterbedingungen, hohen Wellen und Überschwemmungen.
Gleichzeitig erhöht er die maritime Sicherheit für Fracht-, Passagier- und Freizeitschiffe drastisch. Dies ist ein entscheidender Faktor, um Pula als wichtigen Knotenpunkt für den Handel und den nautischen Tourismus an der Adria weiter zu etablieren. Langfristig wird dies neue Investitionen anlocken und das wirtschaftliche Wachstum der Region befeuern.
Pula schließt mit diesem Projekt buchstäblich eine Lücke in seiner Geschichte. Wenn der neue Wellenbrecher fertiggestellt ist, wird er nicht nur die Stadt sicherer machen, sondern auch als beeindruckendes Monument der modernen Ingenieurskunst (und der Vollendung historischer Pläne) in der Adria thronen. Wir bleiben gespannt und werden den Baufortschritt weiter verfolgen!
