Zadar ist weltweit für seine römischen Ruinen und mittelalterlichen Kirchen bekannt. Doch abseits der bekannten Touristenpfade existiert eine zweite, verborgene Stadt!
Ein aktueller TV-Bericht der HRT bringt jetzt die Anlagen, die jahrzehntelang im Verborgenen lagen, im wahrsten Sinne des Wortes ans Tageslicht: ein weitverzweigtes Netzwerk aus über 250 Bunkern, Tunneln und unterirdischen Depots!
„In dieser Umgebung durch die Tunnel zu gehen, ist ein bisschen wie in einem Horrorfilm, und glauben Sie mir, es ist überhaupt nicht angenehm, dort zu sein“, sagte HRT-Journalist Ante Kolanović .
Historischer Kontext: Der „Alpenwall“ in der Adria
Die Ursprünge dieses massiven Verteidigungssystems liegen in den 1930er Jahren. Nach dem Vertrag von Rapallo (1920) war Zadar (italienisch Zara) eine italienische Enklave, die vollständig vom Territorium des Königreichs Jugoslawien umschlossen war.
Um diese exponierte Lage zu sichern, integrierte das italienische Militär Zadar in den Vallo Alpino (Alpenwall). Dieser Befestigungsgürtel zog sich von der Grenze zu Frankreich über die Alpen bis hinunter an die östliche Adriaküste. In und um Zadar entstand so eine der am stärksten befestigten Zonen des Mittelmeerraums.
Technische Details und Umfang
Die jüngsten Untersuchungen im Rahmen von Dokumentationsprojekten haben das wahre Ausmaß der Anlagen ans Licht gebracht:
- Anzahl der Objekte: Insgesamt wurden 250 einzelne Strukturen identifiziert, darunter Gefechtsstände, Munitionslager und Truppenunterkünfte.
- Tiefe und Konstruktion: Die Tunnel wurden bis zu 20 Meter tief in den Kalkstein getrieben und mit dickem Stahlbeton verstärkt, um selbst schwerstem Artilleriebeschuss standzuhalten.
- Verteilung: Die Bunker konzentrieren sich auf strategische Anhöhen und Stadtteile wie Vidikovac, Plovanija, Crno und Dračevac. Sie bildeten einen geschlossenen Verteidigungsring um das Stadtzentrum.
Die Rolle in der neueren Geschichte
Obwohl für den Zweiten Weltkrieg gebaut, blieb der strategische Wert der Anlagen über Jahrzehnte bestehen:
- Kalter Krieg: Die jugoslawische Volksarmee (JNA) übernahm und modernisierte viele dieser Bunker für den Fall einer Invasion.
- Heimatkrieg (1991–1995): Während der Belagerung Zadars dienten die Tunnel der Zivilbevölkerung als Schutzräume und den Verteidigern als sichere Kommunikationswege und Lager. Besonders der Bunker in Dračevac gilt heute als Symbol für den Widerstand der Stadt.
Das REVIVAL-Projekt: Von der Ruine zum Kulturgut
Lange Zeit galten die Bunker als „Dark Heritage“ – ein schwieriges Erbe, das oft mit Müll gefüllt oder dem Verfall preisgegeben war. Durch das EU-geförderte Projekt REVIVAL (Italien-Kroatien) hat ein Umdenken stattgefunden.
- Bunker C-47 (Vidikovac): Dieses Objekt wurde beispielhaft saniert und für Besucher zugänglich gemacht. Es dient heute als Aussichtspunkt und Informationszentrum.
- Kulturrouten: Die Stadt Zadar arbeitet daran, ausgewählte Abschnitte des Netzwerks sicher zu erschließen, um die militärische Architekturgeschichte touristisch nutzbar zu machen.
Für Besucher, die sich für Geschichte und Architektur interessieren, bietet die Öffnung dieser Anlagen eine völlig neue Perspektive auf Zadar. Es ist die Verbindung zwischen der antiken Oberflächenstadt und der modernen, unterirdischen Festungsstadt, die in dieser Form mit Sicherheit Seltenheitswert hat.
