Wer die kroatische Küste verlässt und ins Hinterland von Dalmatien fährt, stößt auf eine Landschaft, die wie aus einer anderen Welt wirkt. Die Stadt Imotski ist das Zentrum einer Region, die stolze neun Seen beherbergt. Seit kurzem gehört dieses Gebiet zum UNESCO Global Geopark Biokovo-Imotski Seen – ein Prädikat, das die geologische Einzigartigkeit dieser Gegend unterstreicht.
Während viele Reisende nur die berühmten Kraterseen direkt bei der Stadt besuchen, verbirgt sich das sanfte Herz der Region in den Quellgebieten des Flusses Vrljika.
Im Fokus: Die magischen Quellen der Vrljika
Die Vrljika ist die Lebensader des Imotski-Feldes. Ihr Quellbereich ist ein Ort der absoluten Stille. Hier finden sich zwei der neun Seen, die oft als die Augen der Natur bezeichnet werden.
Dva oka (Zwei Augen) Diese beiden kreisrunden Quellseen sind ein Naturphänomen. Aus einer leicht erhöhten Perspektive betrachtet wirken sie wie zwei tiefblaue Augen, die in den Himmel blicken. Das Wasser ist so klar, dass man bis auf den Grund des Karstgesteins sehen kann. Es ist ein idealer Ort für ein ruhiges Picknick oder um die Spiegelungen der umliegenden Hügel im Wasser zu beobachten.
Vučja draga Nur ein kurzes Stück entfernt liegt die Quelle Vučja draga. Eingebettet in Schilf und alte Weidenbäume, wirkt dieser Ort fast mystisch. Das Wasser sprudelt hier beständig aus dem Boden und speist den Fluss, der für seine seltene Adria-Forelle bekannt ist – ein Beweis für die exzellente Wasserqualität der Region.
Die weiteren sieben Seen im Überblick
Um das Bild der neun Seen zu vervollständigen, darf man die anderen geologischen Wunder der Imotska krajina nicht vergessen:
- Modro jezero (Blauer See): Der wohl bekannteste See, direkt am Stadtrand in einem tiefen Krater gelegen. Sein Wasserstand schwankt massiv; im Sommer lädt er zum Baden ein, im Herbst trocknet er manchmal komplett aus.
- Crveno jezero (Roter See): Einer der tiefsten wassergefüllten Einsturzkrater der Welt. Seine steilen, rötlichen Felswände sind beeindruckend, aber für Badegäste unzugänglich.
- Galipovac: Der größte der drei Seen in der Gemeinde Lokvičići, bekannt für seine dramatische Lage unterhalb steiler Klippen.
- Knezovića jezero: Ein kleinerer, wilder See in der Nähe von Galipovac.
- Mamića jezero: Der dritte im Bunde der Lokvičići-Seen, umgeben von unberührter Natur.
- Prološko blato: Ein weites Feuchtgebiet mit einem See, in dessen Mitte die Insel Manastir mit den Ruinen eines alten Klosters liegt.
- Zeleno jezero (Grüner See): Ein künstlich angelegter See bei Ričice, der durch seine smaragdgrüne Farbe besticht und perfekt für Wassersportler geeignet ist.

Die besten Aussichtspunkte (Vidikovci)
Um die Dimensionen dieser Seen wirklich zu begreifen, lohnt es sich, diese spezifischen Punkte anzusteuern:
Aussichtspunkt Topana (Blauer See) Direkt bei der alten Festung Topana in Imotski haben Sie den klassischen Blick in den tiefen Krater des Blauen Sees. Von hier aus führt auch der Serpentinenweg hinunter zum Wasser.
Aussichtspunkt Roter See Direkt an der Straße Richtung Ričice gibt es eine gut ausgebaute Plattform mit Sicherheitszaun. Von hier aus blickt man fast 250 Meter senkrecht in die Tiefe auf die Wasseroberfläche des Roten Sees.
Vidikovac Galipovac (Lokvičići) Dies ist einer der spektakulärsten Aussichtspunkte der Region. Von einer hölzernen Plattform aus blicken Sie gleichzeitig auf den Galipovac-See und das weite Imotski-Feld. Er liegt an der Straße zwischen Lokvičići und Proložac.
Erhöhung bei Dva oka Um die Form der “Zwei Augen” (Dva oka) zu erkennen, sollte man nicht direkt am Ufer stehen, sondern den kleinen Hügel unmittelbar westlich der Quellen besteigen. Von dort oben zeigt sich das Panorama der Vrljika-Quellen am besten.
Anfahrtsbeschreibung: So finden Sie das Seenparadies
Imotski liegt im dalmatinischen Hinterland (Zagora), etwa 30 bis 45 Minuten von der Makarska-Riviera entfernt.
Anreise von der Küste (Makarska/Baška Voda) Fahren Sie auf der Staatsstraße D8 Richtung Norden und nehmen Sie die Auffahrt zum Tunnel Sveti Ilija (Richtung Autobahn A1). Nach dem Tunnel folgen Sie der Beschilderung Richtung Imotski. Die Fahrt führt durch eine malerische Hügellandschaft direkt ins Zentrum der Stadt.
Anreise über die Autobahn A1 (aus Richtung Split oder Zagreb) Verlassen Sie die Autobahn an der Ausfahrt Zagvozd. Folgen Sie der Landstraße Richtung Imotski. Die Fahrt von der Ausfahrt bis in die Stadt dauert etwa 20 Minuten.
Weg zu den Vrljika-Quellen (Dva oka) Von Imotski aus fahren Sie in Richtung Westen (Richtung Proložac). In der Nähe des Dorfes Glavina Donja finden Sie Wegweiser zu den Quellen der Vrljika und zu “Dva oka”. Es gibt Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Gehnähe zu den Quellbecken.
Ein Tipp für Entdecker
Alle weiteren Infos findet ihr auf der Website des “Geopark Biokovo-Imotski Lakes”
Plant bitte für die gesamte Seenrunde mindestens einen vollen Tag ein. Während der Blaue und Rote See sehr leicht zugänglich sind, erfordern die Quellen der Vrljika und die Seen von Lokvičići etwas mehr Zeit für kleine Spaziergänge, belohnen aber mit einer Ruhe, die man an der Küste selten findet.
