Abseits der klassischen Postkartenmotive verstecken sich an der dalmatinischen Küste auch faszinierende, teils unheimliche Relikte der Vergangenheit.
Eines dieser beeindruckenden Ausflugsziele für „Urban Explorer“ und Abenteurer ist das sogenannte „Auge Hitlers“ (kroatisch: Morski tunel Hitlerove oči) bei Šibenik.

Was genau ist das „Auge Hitlers“?
Das „Auge Hitlers“ ist ein massiver, in den nackten Fels getriebener Meerestunnel. Er befindet sich im Kanal des Heiligen Antonius (Kanal sv. Ante), einer natürlichen und strategisch extrem wichtigen Wasserstraße, welche die Bucht von Šibenik mit dem offenen Adriatischen Meer verbindet.
Der dramatische Spitzname des Tunnels rührt von den halbrunden, dunklen Eingängen her, die wie pechschwarze Augen aus den Klippen direkt auf das Wasser starren.
Die harten Fakten der Anlage:
- Länge: ca. 250 Meter
- Tiefe: ca. 15 Meter Wassertiefe
- Form: Leicht gebogen, wodurch in der Mitte des Tunnels absolute Dunkelheit herrscht, da man das Licht der beiden Ausgänge nur noch als Schimmer wahrnimmt.
Die dunkle Geschichte des Tunnels
Trotz der idyllischen mediterranen Umgebung hat das Bauwerk einen rein militärischen Ursprung. Der Tunnel wurde gebaut, um Schiffe beinahe unsichtbar mit der Küstenlinie verschmelzen zu lassen.
- Zweiter Weltkrieg: Die Bauarbeiten begannen während des Zweiten Weltkriegs. Ziel war es, Schnellboote, Torpedoboote und kleine U-Boote vor feindlichen Luftangriffen zu verstecken. Während die allerersten Konzepte in der Region oft dem Königreich Italien zugeschrieben werden, wurde dieser spezifische Tunnel maßgeblich von der deutschen Wehrmacht ausgebaut – daher der bis heute gängige Name.
- Kalter Krieg: Nach dem Krieg wurde die Anlage von der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) übernommen, weiter modernisiert und als geheimer Marinestützpunkt für Torpedoboote genutzt.
- Niedergang: Als Kriegsschiffe und U-Boote in den darauffolgenden Jahrzehnten immer größer wurden, verlor der Tunnel seine strategische Bedeutung. Er wurde aufgegeben und schlussendlich der Natur überlassen.

Wie man den U-Boot-Tunnel heute erkunden kann
Heute ist die Anlage demilitarisert, frei zugänglich und zieht Neugierige, Fotografen und Wassersportler magisch an. Es gibt verschiedene Wege, den Tunnel zu erleben:
1. Mit dem Boot oder Ausflugsschiff Die bequemste Variante. Viele Ausflugsboote, die von Šibenik zur berühmten (und direkt benachbarten) Seefestung St. Nikolaus fahren, drosseln hier die Motoren oder machen einen kurzen Stopp, damit Touristen in die gähnende Dunkelheit des Tunnels blicken können.
2. Auf dem Wasserweg (SUP & Kajak) Ein absolutes Highlight für Individualisten! Mit einem Stand-Up-Paddleboard (SUP) oder einem Kajak kann man völlig lautlos in den Tunnel gleiten. Das Echo und das kristallklare, im Schatten fast schwarz wirkende Wasser sorgen für ordentlich Gänsehaut.
3. Zu Fuß Links und rechts der Wasserfläche verlaufen im Tunnel schmale, betonierte Gehwege, die mit einem Handlauf gesichert sind. Über einen unscheinbaren Fußgängertunnel an der Landseite (nahe der Kapelle St. Antonius, die sich dort in einer Höhle befindet) kann man die Anlage betreten und komplett durchlaufen. Eine Taschenlampe ist hier wärmstens zu empfehlen!
4. Schwimmen (Für Mutige) Für Open-Water-Schwimmer ist die Durchquerung ein echtes Erlebnis, erfordert aber Nerven. In der Mitte ist es stockfinster und es zieht oft eine kühle Strömung durch den Tunnel.

Wichtiger Sicherheitshinweis: Das Schwimmen draußen im Hauptkanal von Šibenik ist wegen des dichten und teils schnellen Schiffsverkehrs lebensgefährlich und streng verboten. Wer den Tunnel schwimmend erkundet, sollte eine Schwimmboje verwenden und muss zwingend im Inneren des Tunnels oder unmittelbar an den Rändern des Kanals bleiben!
Das „Auge Hitlers“ bei Šibenik ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Natur sich historische Militärarchitektur langsam zurückerobert. Die Mischung aus rauer Beton-Ästhetik, geschichtsträchtiger Atmosphäre und der atemberaubenden Kulisse des Antonius-Kanals macht diesen Ort zu einem echten Geheimtipp abseits der überfüllten Strände.
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