Stellen Sie sich einen bewölkten Frühlingsmorgen im Jahr 1959 vor. Das Meer ist glatt und ruhig, die Möwen kreisen über dem Hafen von Crikvenica, und am Kai herrscht eine Aufregung, die weit über das übliche Markttreiben hinausgeht. Es ist der 12. April 1959 – ein Datum, das heute als Wendepunkt in der Geschichte der kroatischen Küste gilt.
An diesem Tag nahm die erste Fährlinie Kroatiens ihren Betrieb auf und legte damit den Grundstein für das, was wir heute als eines der dichtesten Fährnetze der Welt kennen.
Ein Pionier aus Holz: Die „Bodulka“
Das Schiff, das Geschichte schrieb, trug den charmanten Namen „Bodulka“. Es war keine glitzernde Stahlkonstruktion, wie wir sie heute von der Jadrolinija-Flotte kennen, sondern eine robuste Holzfähre.
Trotz ihrer bescheidenen Bauweise waren ihre Kapazitäten für die damalige Zeit revolutionär:
- 12 Fahrzeuge fanden an Bord Platz.
- Bis zu 130 Passagiere konnten gleichzeitig übersetzen.
- Viermal täglich pendelte sie unermüdlich zwischen dem Festland und der Insel Krk.
Die Route: Crikvenica – Šilo
Die Wahl der Strecke war strategisch klug. Die Verbindung zwischen Crikvenica am Festland und dem Dorf Šilo auf der Insel Krk war die kürzeste und effizienteste Möglichkeit, die Inselbewohner mit dem wirtschaftlichen Zentrum des Festlands zu verbinden. Lange bevor die imposante Krk-Brücke (eröffnet 1980) existierte, war die „Bodulka“ das einzige Tor zur Welt für die Menschen auf der Insel.
Mehr als nur ein Transportmittel: Ein gesellschaftlicher Meilenstein
Warum ist dieser 12. April so bedeutend? Es ging nicht nur darum, Autos von A nach B zu bringen. Die Inbetriebnahme der „Bodulka“ war eine der bedeutendsten Errungenschaften für die kroatische Inselbevölkerung.
- Ende der Isolation: Für die Bewohner von Krk bedeutete die Fähre den Zugang zu besserer medizinischer Versorgung, Bildung und Handelsmöglichkeiten.
- Geburt des Autotourismus: Mit der Möglichkeit, das eigene Fahrzeug auf die Insel zu bringen, wurde der Grundstein für den modernen Tourismus gelegt. Reisende aus ganz Europa konnten nun beginnen, die versteckten Buchten der Inseln auf eigene Faust zu erkunden.
- Wirtschaftlicher Aufschwung: Waren konnten schneller und in größeren Mengen transportiert werden, was die lokale Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals befeuerte.
Vom Holzschiff zur modernen Flotte
Wenn wir heute auf einer der modernen, klimatisierten Fähren stehen, den Fahrtwind genießen und in weniger als zwei Stunden fast jede bewohnte Insel erreichen, sollten wir kurz an die „Bodulka“ denken. Ohne diesen hölzernen Pionier und den Pioniergeist des Jahres 1959 wäre das Kroatien, das wir heute lieben – diese perfekte Symbiose aus Inselidylle und Erreichbarkeit – kaum vorstellbar.
Die Geschichte der „Bodulka“ erinnert uns daran, dass jede große Reise mit einem kleinen, mutigen Schritt (oder in diesem Fall mit einer ersten Überfahrt) beginnt.
