Um seine Bürger, die heimische Wirtschaft und die Gäste vor explodierenden Energiepreisen zu schützen, bereitet Kroatien nun einen bemerkenswerten Schritt vor, der in dieser Form europaweit als absoluter Sonderweg gilt.
Wie die kroatische Tageszeitung 24sata aktuell berichtet, bereitet die kroatischen Regierung aktuell eine überaus kreative Lösung vor: Eine „atmende“ beziehungsweise „schwimmende“ Mehrwertsteuer (plivajući PDV) auf Kraftstoffe und Strom.
Das Konzept: Schnelle Reaktion statt langer Debatten
Mit der neu geplanten Gesetzgebung soll ein Werkzeug geschaffen werden, das es dem Staat ermöglicht, die Mehrwertsteuer auf elementare Energieträger je nach Marktlage rasant und unbürokratisch anzupassen. Im Notfall müsste die Regierung also nicht wochenlang im Parlament debattieren, sondern könnte den Steuersatz bei starken Marktstörungen praktisch über Nacht per Dekret senken.
Konkrete Zahlen: Das bringt die Maßnahme für den Geldbeutel
Um die Auswirkungen greifbar zu machen, hilft ein Blick auf die Spritpreise in Kroatien (Beispielwerte vor Inkrafttreten potenzieller Senkungen):
- Diesel liegt auf einem Rekordhoch von ca. 1,85 Euro pro Liter (bei regulären 25 % Mehrwertsteuer).
- Benzin kostet rund 1,66 Euro pro Liter.
Szenario einer Steuersenkung: Würde die Regierung den Steuersatz von 25 % vorübergehend auf 15 Prozent herabsetzen, fiele der Dieselpreis auf etwa 1,70 Euro und Benzin auf 1,53 Euro.
Für einen typischen Tankvorgang von 50 Litern beim Auto bedeutet das spürbare Ersparnisse:
- 7,50 Euro Ersparnis beim Volltanken mit Diesel.
- 6,50 Euro Ersparnis bei einer Tankfüllung Benzin.
Sollte der Markt völlig außer Kontrolle geraten, wäre laut den Rechenbeispielen der Regierung sogar eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf 10 Prozent machbar, was den Dieselpreis auf rund 1,63 Euro und den Benzinpreis auf 1,46 Euro drücken würde.
Starker Fokus auf Wirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus
Auch wenn Autofahrer sich über günstigere Preise freuen dürften – das vorrangige Ziel dieses Gesetzes ist der Schutz essenzieller Wirtschaftszweige.
Gerade im maritimen Bereich wird schnell deutlich, um welche Summen es geht: Fischerboote, aber auch Yachten und Ausflugsboote arbeiten mit gewaltigen Tankvolumen. Wenn man die obige Modellrechnung (Senkung auf 15 % Mehrwertsteuer) auf ein Boot mit einem Tank von 500 Litern überträgt, ergibt sich bei Diesel bereits eine satte Ersparnis von rund 75 Euro pro Tankvorgang.
Die geplante „schwimmende Mehrwertsteuer“ ist ein pragmatischer, auf europäischer Ebene aber auch mutiger Notfallplan. Sobald das Gesetz in Kraft tritt, gibt es der kroatischen Regierung ein extrem agiles Instrument an die Hand, um die Folgen globaler Krisen abzufedern und langwierige politische Debatten zu umgehen. Es wird spannend zu beobachten sein, wie Kroatien die bürokratischen Hürden dieses europäischen Sonderwegs in der Praxis meistert.
