Ein 29-Meter-Katamaran zum Preis eines Gebrauchtwagens: Das ungewöhnliche Angebot der Jadrolinija

Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Boot für den nächsten Kroatien-Urlaub zuzulegen, stolpert derzeit über eine Anzeige, bei der man zweimal hinsehen muss. Die staatliche kroatische Reederei Jadrolinija bietet ihren Katamaran „Olea“ für schlappe 20.000 Euro an. Für dieses Geld bekommt man auf dem Gebrauchtwagenmarkt derzeit einen soliden Mittelklassewagen – hier gibt es ein 29 Meter langes Schiff mit einer Kapazität für über 200 Passagiere.

Ein echtes maritimes Schnäppchen also? Wenn man auf die Details blickt, relativiert sich das Bild ein wenig.

Ein Schiff mit viel Geschichte (und Charakter)

Die „Olea“ ist kein luxuriöser Neubau mit Whirlpool auf dem Sonnendeck. Sie wurde 1981 im rauen Norwegen aus Aluminium gefertigt und war viele Jahre im Archipel von Zadar im Einsatz. Die dortigen Inselbewohner kennen den Katamaran gut – auch wegen seiner etwas rustikalen Art bei stärkerem Seegang, die wohl ab und zu für feuchte Füße im Passagiersalon sorgte. Wer hier zuschlägt, kauft definitiv ein Stück Geschichte.

Warum der Preis so rasant gesunken ist

Ursprünglich rief die Reederei noch 60.000 Euro für das Schiff auf. Als sich keine Käufer fanden, sank der Preis auf 50.000 Euro und liegt nun bei den besagten 20.000 Euro. Dieser Preisverfall erklärt sich recht schnell, wenn man einen Blick in das Kleingedruckte des Angebots wirft:

  • Antriebslos glücklich: Die Olea wird komplett ohne Motoren verkauft. Wer mit ihr in See stechen möchte, hat also ein gewaltiges Do-It-Yourself-Projekt vor sich.
  • Fehlende Papiere: Dem Katamaran fehlen aktuell sämtliche gültigen Papiere, Zertifikate und die Einstufung des kroatischen Schiffsregisters.
  • Wettbewerbsklausel: Wer auf die Idee kommt, das Schiff nach einer teuren Generalüberholung einfach selbst als Fähre einzusetzen, um etwas Geld zu verdienen, wird enttäuscht. Jadrolinija schließt vertraglich aus, dass die Olea künftig für konkurrierende Liniendienste genutzt werden darf.
  • Die Schrott-Option: Aufgrund des Materials könnte das Schiff auch für Schrotthändler interessant sein. Aber auch hier hat die Reederei vorgesorgt: Wer die Olea zum Verschrotten kauft, muss eine offizielle Lizenz zur Abfallwirtschaft vorweisen.

Für 20.000 Euro bekommt man hier weniger eine schlüsselfertige Urlaubsyacht, sondern vielmehr ein gigantisches Bastelprojekt für extrem ambitionierte Handwerker. Wer also schon immer nach einer 29 Meter langen Herausforderung für das nächste Wochenende gesucht hat (und zufällig noch zwei Schiffsmotoren in der Garage liegen hat), für den könnte die „Olea“ genau das Richtige sein.
Alle anderen sind mit dem gebrauchten VW Golf für denselben Preis auf dem Weg ans Mittelmeer vermutlich entspannter unterwegs. 😉

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