Während anderswo die Inflation das bestimmende Thema ist, scheinen die Gesetze der Wirtschaft auf dem traditionsreichen Markt in Benkovac an jedem 10. des Monats außer Kraft gesetzt zu sein. Hier herrscht pure Lebensfreude statt Krisenstimmung.
Doris Babić von Zadarski List hat sich am berühmtesten Markt Dalmatiens umgehört.
50 Euro für ein Kilo Lammfleisch? „Das ist das neue Normal“
Die Preise mögen steigen, doch für eine Portion exzellentes Lammfleisch vom Spieß findet sich immer etwas Kleingeld („šoldi“). Das Lamm kostet mittlerweile stolze 50 Euro pro Kilogramm, Spanferkel liegt bei 40 Euro. Dennoch: Die Menschen strömen aus ganz Kroatien und sogar aus dem Ausland herbei, um den Tag bei Lammfleisch, Frühlingszwiebeln (kapulica) und Wein zu genießen.

Das beste Marketing für das kulinarische Angebot ist nach wie vor die Mundpropaganda. Das bestätigt auch Filip, der mit seiner jüngeren Freundesgruppe extra aus Zagreb angereist ist:
„Wir haben gehört, dass das Lammfleisch gut sein soll, und es ist wirklich ausgezeichnet! Dazu junge Frühlingszwiebeln und Wein. Ein solches Lamm und auf diese Art zubereitet gibt es in Zagreb nicht. Das ist unser erstes, aber sicher nicht unser letztes Mal.“
Selbst der stolze Preis stört die junge Truppe aus der Hauptstadt nicht im Geringsten. Für sie steht das Erlebnis im Vordergrund:
„Ein Kilogramm Lamm kostet 50 Euro, Spanferkel 40 Euro, das ist wohl das neue Normal. Aber selbst wenn es 100 Euro kosten würde – wir sind ja nicht jeden Tag hier.“
(Ganz mit leeren Händen sind sie aber auch nicht aus Zagreb abgereist: Ehefrauen und Schwiegermütter haben Einkaufslisten mitgegeben, weshalb für die Heimreise auch traditionelle Körbe und Schneidebretter eingepackt wurden.)
Eine generationenübergreifende Tradition
Für viele Stammgäste ist der Marktbesuch zu einem festen monatlichen Ritual geworden. Ob Familien mit Kindern, jüngere Leute oder Senioren – hier kommen alle zusammen. Mladen Katalinić aus Starigrad, der den Markt gemeinsam mit seinem aus Österreich angereisten Bruder Branko besucht, bringt die Prioritäten vieler Besucher pragmatisch auf den Punkt:
„Mein Bruder und ich kommen jeden Monat her, hauptsächlich wegen des Lammfleischs, Obst und Gemüse interessieren uns nicht. Ach, es ist nicht teuer, alles ist gut, solange es etwas gibt.“
Fazit: Mehr als nur ein Markt
Der Markt in Benkovac ist der beste Beweis dafür, dass die Menschen sich ihren „Gušt“ (Genuss) nicht nehmen lassen wollen. Wenn man sich mit lieben Menschen zusammensetzt, ein Lied anstimmt, die warme Frühlingssonne genießt und durch die traditionellen Stände schlendert, stellt sich am Ende nur eine einzige Frage, wie auch der Artikel resümiert:
„Wer könnte das schon mit Geld bezahlen?“ (Pa ‘ko to more platit’?)
