30 Prozent billiger: Wie australisches Lammfleisch den kroatischen Markt aufmischt – und gefährdet!

Lammfleisch (Janjetina) ist in Kroatien weit mehr als nur ein Gericht – es ist eine absolute Institution, tief verwurzelt in Traditionen, Familienfesten und der regionalen Identität. Egal ob süßlich von der Insel Pag, kräftig aus der Lika oder rustikal aus den Ravni Kotari: Kroaten schwören auf ihr heimisches Lamm. Doch auf dem Markt – und vor allem für die heimischen Züchter – braut sich aktuell ein Sturm zusammen. Wie eine aktuelle Recherche und ein ausführlicher TV-Bericht des kroatischen Rundfunks (HRT) und eine Recherche der Zeitung Novi List eindrücklich zeigen, sorgt das neue Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien für ein echtes Beben in der Branche.

Ein neues Zeitalter im Kühlregal

Laut den Berichten von HRT haben die EU und Australien kürzlich ein historisches Freihandelsabkommen besiegelt, das die Einfuhrzölle drastisch senkt. Für die kroatischen Supermärkte bedeutet das im Klartext: Es wird bald vermehrt australisches Lammfleisch in den Auslagen zu finden sein – und zwar zu deutlich günstigeren Konditionen.

Der Grund für den Preisunterschied liegt in der Struktur. In Australien wird auf riesigen Farmen produziert, wodurch die Herstellungskosten massiv sinken. Wie der TV-Sender vorrechnet, kann das australische Lammfleisch voraussichtlich rund 30 Prozent günstiger angeboten werden als das kroatische Fleisch. Zwar führt die EU ein Quotensystem ein, um den zollfreien Import zu begrenzen, doch das lindert die Sorgen der heimischen Landwirte nur bedingt.

Was bedeutet das für die heimischen Bauern?

Das HRT-Kamerateam hat sich direkt bei den Betroffenen umgehört und fängt die wachsende Sorge im Agrarsektor ein. Die einheimische Produktion kämpft ohnehin schon mit Rückgängen. Daniel Segarić, Agrar-Verantwortlicher der Gespanschaft Zadar, warnt im TV-Interview offen vor den Folgen für die Tierhaltung. Die Zahlen, die in der HRT-Reportage präsentiert werden, sprechen für sich: Allein in der Region Zadar gibt es heute nur noch knapp 80.000 Schafe – ein drastischer Rückgang von 10.000 Tieren innerhalb von nur zwei Jahren.

Experten gehen im Bericht davon aus, dass vor allem Züchter im Landesinneren den massiven Preisdruck spüren werden. Die berühmte Paška janjetina (Lammfleisch von der Insel Pag) hingegen dürfte weniger gefährdet sein. Die Mengen sind ohnehin gering, und die außergewöhnliche Qualität sichert dem Pager Lamm eine treue, kaufkräftige Kundschaft, die den hohen Preis weiterhin anstandslos zahlt.

Foto: Screenshot HRT / Metzger Josip Vanjak / Klick auf das Bild startet das Video

Der Geschmackstest: Kann Down Under mithalten?

Die entscheidende Frage für viele Kroaten bleibt jedoch: Kann die Importware den anspruchsvollen Gaumen überzeugen?

Auch dieser Frage geht der Sender nach. Goran Krnčević, ein ehemaliger Metzger und Seemann aus Zadar, bringt es gegenüber HRT auf den Punkt. Er stammt aus einer alteingesessenen Fleischerfamilie und weiß genau, worauf es ankommt. Natürlich zieht er das heimische Lamm vor, gibt vor laufender Kamera aber auch unumwunden zu: “Ich habe das australische Lammfleisch schon probiert – es ist außergewöhnlich gut.” Tatsächlich genießt Fleisch aus Australien weltweit einen exzellenten Ruf. Es handelt sich hier also nicht um billige Massenware minderer Güte, sondern um einen echten Konkurrenten, der Qualität mit einem unschlagbaren Preis vereint.

Fazit: Tradition unter Druck

Das Duell „Heimisch vs. Australisch“ wird sich künftig direkt an der Supermarktkasse und in den Restaurants entscheiden. Für preissensible Konsumenten ist das erschwinglichere Fleisch aus Übersee zweifellos eine verlockende Alternative. Für die traditionsreiche kroatische Schafzucht stellt diese Entwicklung jedoch, wie die HRT-Recherche eindrücklich verdeutlicht, eine echte Zerreißprobe dar.

Die Zukunft wird zeigen, ob die Kroaten ihrer geliebten Domaća Janjetina aus purer Loyalität treu bleiben, oder ob das australische Lamm schon bald den heimischen Sonntagsgrill erobert.

1 Kommentar
  1. Ein Desaster wie Mercoseur oder viele weiter Abkommen die nicht das Ziel haben, Waren, Traditionen, und besondere Geschmaknoten, vom Inland zu schützen. Oftmals ist die 100% Versorgung aus dem eigenen Land gegeben, trotzdem werden die Länder mit Billig Fleisch überflutet.
    Es geht nur darum zu klassifizieren, zu stempeln, reproduzieren im gr. Stile, damit für eine Lobby wieder die Zukunft gesichert ist. In Ö haben wir das Problem mit Rindfleisch aus Südamerika, Milch, Butter aus der Ukraine, usw.. Unsere Landwirte werden ignoriert. Sehr, sehr viele sperren jedes Jahr den Hof zu.
    Manche spezialisieren sich. Kräuter, besondere Früchte, Đumbir, …..
    Diese Umorientierung, weg von der klassischen Landwirtschaft verlangt gr Investitionen.
    Es scheint , der heimische Bauer, dessen Waren für die Ernährung des Volkes, heimische hochwertige Güter, ist den Staatslenkern egal. Subvention ist keine Lösung !!!!
    Der Kunde, kauft oder kauft nicht, ist dadurch König im Geschäft .
    Jedoch, lockt sehr oft der billig Preis. Von Waren die 1000de km heran geschifft werden.
    Wochenlang eingefroren sind oder am Schiff gereift werden.
    Billig ist oft ungesund.

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