Einsamkeit auf der Trauminsel: Wie eine Frau das Leben der Alten auf Kaprije erhellt

Stellt euch eine idyllische, kleine kroatische Insel vor. Das Meer rauscht, die Luft ist klar, und die Hektik der Großstadt scheint Lichtjahre entfernt. Die Insel Kaprije im Šibenik-Archipel ist genau so ein Ort. Doch das Inselleben hat auch seine Schattenseiten – ganz besonders dann, wenn man dort alt wird. Heute möchte ich eine Geschichte mit euch teilen, die uns auf wunderschöne Weise zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Alt werden auf der Insel: Ein Leben zwischen Idylle und Isolation

Den Lebensabend im eigenen Zuhause zu verbringen, ist der Traum der meisten Menschen. Auf einer kleinen Insel wie Kaprije, auf der dauerhaft nur noch etwa 80 Menschen – größtenteils Rentner – leben, kann dieser Traum jedoch zur echten Herausforderung werden. Die jüngeren Generationen sind oft ans Festland gezogen, und da regelmäßige Fährverbindungen eine Seltenheit sind, können die Familien nicht einfach mal eben auf einen Kaffee vorbeikommen. Manchmal ist die Insel bei schlechtem Wetter sogar tagelang vom Festland abgeschnitten.

Genau hier kommt Barbara Klisović ins Spiel. Sie hat sich ganz bewusst für das Leben auf Kaprije entschieden und arbeitet dort als Gerontodomaćica – eine Alltagsbegleiterin und Pflegekraft für Senioren.

Zdravko Rezić wird von Barbara betreut

“Ihnen ist die Gesellschaft und das Gespräch am wichtigsten”

Natürlich packt Barbara im Alltag tatkräftig mit an. Sie hilft im Haushalt, bringt lebenswichtige Medikamente vorbei oder besorgt Lebensmittel aus der Stadt. Doch wenn man Barbara fragt, was ihre Arbeit wirklich ausmacht, ist die Antwort simpel und tiefgründig zugleich: Es ist nicht der physische Einkauf. Es ist die Anwesenheit.

In der kleinen Inselgemeinschaft kennt jeder jeden. Barbara ist eine offene, kommunikative Frau, die schnell eine enge Bindung zu den älteren Menschen aufbaut. Sie weiß: Ein kleines Gespräch, ein offenes Ohr und das Gefühl, nicht vergessen zu sein, erhellen einen ganzen Tag. Besonders im Winter, wenn auf der Insel hin und wieder der Strom oder das Fernsehen ausfällt (was für viele der alleinlebenden Senioren laut Barbara oft der “beste Freund” ist), wird es still. Dann ist Barbaras Besuch oft das absolute Highlight der Woche.

Sie selbst fühlt sich durch ihre Arbeit zutiefst erfüllt. „Von ihnen kann man viel lernen, sie haben so viel Lebenserfahrung, interessante Geschichten und Ratschläge“, erzählt sie. Die Senioren sehnen sich nach Liebe, Aufmerksamkeit und jemanden, der ihnen einfach nur zuhört.

Ein Aufruf gegen Passivität

Barbara ist nicht nur eine Stütze für die Älteren, sondern auch eine wichtige Stimme für die Insel. Während viele Menschen über die Abwanderung und die schlechten Fährverbindungen klagen, sieht Barbara das Problem auch bei den Bewohnern selbst. „Wir haben gelernt, für alles die Politiker verantwortlich zu machen, aber auch wir Menschen sind oft passiv“, sagt sie. Sie plädiert für mehr Eigeninitiative und Zusammenhalt. Wer nur auf seinen eigenen Vorgarten schaue und nicht als Gemeinschaft handle, werde nichts verändern.

Ein gesundes und erfülltes Leben

Trotz aller Herausforderungen bereut Barbara ihre Entscheidung, auf Kaprije zu leben, keine Sekunde. Sie betont jedoch, dass man sich dieser Lebensweise bewusst sein muss – besonders, wenn man als Paar dorthin zieht. Es ist nicht immer alles verfügbar, aber wer bereit ist, auf den ständigen Komfort des Festlands zu verzichten, wird mit einem qualitativ hochwertigen, ehrlichen und gesunden Lebensstil belohnt.

Die HRT hat Barbara vor einiger Zeit eine Kurzdokumentation gewidmet – das Video ist HIER einsehbar.

Echte Zuneigung, menschliche Wärme und geschenkte Zeit sind wahre Lebenselixiere. Vielleicht können wir alle etwas von Barbara lernen: Einfach mal wieder einem älteren Menschen in unserer Umgebung zuhören, sich Zeit nehmen und echte Präsenz zeigen.

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