Stille statt Trubel: Entdecke eines der letzten echten Insel-Paradiese Kroatiens

Doch es gibt sie noch – die echten Zufluchtsorte, an denen die Zeit scheinbar stillsteht. Einer dieser magischen Orte liegt im Zadarer Archipel und ist die westlichste bewohnte Insel der Region: Premuda.
Auf dieser Insel suchst du vergeblich nach großen Hotelkomplexen oder lärmendem Massentourismus. Mit einer Küstenlänge von knapp über 25 Kilometern bietet Premuda ein atemberaubendes System aus Unterwasserhöhlen, unberührte mediterrane Natur und eine Stille, die wahrlich Balsam für die Seele ist.

Ein Paradies mit nur 60 Einwohnern und einem ganz eigenen Rhythmus

Premuda ist der Inbegriff von Entschleunigung. Die Insel hat nur eine einzige, gleichnamige Siedlung, in der das ganze Jahr über nur knapp 60 Menschen dauerhaft leben. Das Leben hier folgt noch den Gesetzen der Natur. Ein Arzt kommt nur einmal in der Woche auf die Insel, die Schule ist mittlerweile geschlossen, und die verbliebenen Einwohner widmen sich vor allem der Landwirtschaft, dem Fischfang und einem sanften Tourismus.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts pulsierte hier noch mehr Leben, doch viele der ursprünglichen Bewohner verließen die Insel auf der Suche nach einem besseren Leben – nicht wenige von ihnen wanderten bis nach Amerika aus.
Auch wenn die Insel klein ist, gibt es eine grundlegende Infrastruktur: Es gibt ein Lebensmittelgeschäft und eine Post. In den Sommermonaten öffnen zudem ein kleines Café und ein paar gemütliche Restaurants (Konobas), die Segler und Ruhesuchende mit Fisch und lokalen Spezialitäten versorgen.

Mediterrane Natur pur

Sobald man an Land geht, wird man von den typischen Düften der Adria empfangen. Premuda ist dicht bewachsen mit Steineichen (Crnika) und der für die Region typischen Macchia. Dazwischen finden sich liebevoll gepflegte Olivenhaine, Feigenbäume und kleine Weinberge, die der Insel ihr unverkennbares mediterranes Flair verleihen.

Es gibt zwei Häfen, die das Tor zur Außenwelt bilden: Den nördlichen Hafen Loza und den südlichen Hafen Krijal, in dem auch das neue Fährterminal liegt und wo Bootsfahrer an sicheren Bojen anlegen können.

Foto: Fabio Šimićev/TZG Zadar

Ein Magnet für Taucher: Höhlen und versunkene Kriegsschiffe

Während es an Land wunderbar ruhig zugeht, brodelt unter der Wasseroberfläche in glasklarem Wasser das reinste Leben. Premuda ist unter Tauchern und Nautikern weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Die absolute Hauptattraktion befindet sich in der Bucht von Široka: die sogenannte “Kathedrale” (Katedrala). Dabei handelt es sich um ein faszinierendes System aus miteinander verbundenen Unterwasserhöhlen. Durch die poröse Decke fallen majestätische Sonnenstrahlen in die Tiefe und erzeugen spektakuläre Lichtspiele. Die Wände sind überzogen mit Schwämmen und Korallen, während sich Kraken, Krebse und bunte Meerpfauen im Riff tummeln.

Für die erfahrensten Taucher (Tiefseetaucher) hält Premuda noch ein weiteres, geradezu mystisches Geheimnis bereit: Auf dem Meeresgrund ruht die Szent István, ein versunkenes Schlachtschiff der österreichisch-ungarischen Marine. Das gewaltige Schiff sank im Juni 1918, nachdem es von einem italienischen Torpedo getroffen wurde. Dieses Wrack wird oft ehrfürchtig als die “Titanic der Adria” bezeichnet und gilt als eine der spektakulärsten Tauchstellen im gesamten Mittelmeerraum.

Historischer Charme, Felsklippen und kuriose Strände

Wenn du über die Insel spazierst, triffst du auf jahrhundertealte Zeugnisse der Geschichte. Mitten auf einem Hügel im Zentrum des Dorfes thront die Kirche des Heiligen Jakobus des Apostels (Svetog Jakova Apostola), die bereits aus dem Jahr 1610 stammt.

Premudas 25 Kilometer lange Küste ist gesäumt von Sand- und Kieselstränden, die sich erfolgreich gegen den Massentourismus wehren. Der wohl beliebteste Strand der Einheimischen ist der Zad crikve. Er liegt in unmittelbarer Nähe der kleinen Küstenkirche St. Cyriakus (sv. Cirijaka). Von hier blickst du direkt in Richtung Südwesten auf die majestätischen Felsklippen von Masarine und Hripa, die das Landschaftsbild eindrucksvoll prägen.

Ein weiteres Highlight für Entdecker: Etwas südlich des Hafens Loza findest du den Strand Popova škrača. Der Legende nach badeten an diesem Strandabschnitt einst bevorzugt die Priester der Insel – was ihm seinen bis heute bestehenden, ungewöhnlichen Namen (übersetzt in etwa “Priesterfels”) einbrachte.

Foto: Fabio Šimićev/TZG Zadar

Weniger ist hier so viel mehr

Premuda beweist auf eindrucksvolle Weise, dass man für einen perfekten Urlaub nicht viel braucht. Keine Luxushotels, keine Animateure, keine überfüllten Promenaden. Alles, was zählt, ist die wilde Schönheit der Adria, der Duft nach Pinien und Salz und eine tiefgreifende, heilsame Ruhe.

Wer einmal den Fuß auf Premuda gesetzt hat, wird diesen magischen, kleinen Flecken Erde so schnell nicht wieder vergessen.

Infobox: Reiseplanung Premuda

Wie komme ich hin? (Anreise) Da Premuda eine Insel ohne Flugplatz oder Brückenverbindung ist, führt der einzige Weg über das Wasser. Der wichtigste Ausgangspunkt für deine Anreise ist die Stadt Zadar auf dem kroatischen Festland.

  • Fähre & Katamaran: Die Reedereien Jadrolinija und Mia Tours bieten regelmäßige Verbindungen von Zadar zum Hafen Krijal auf Premuda an.
  • Fahrzeit: Mit dem schnellen Katamaran (nur für Passagiere) dauert die Überfahrt etwa 2 Stunden. Die reguläre Autofähre benötigt je nach Route und Zwischenstopps ca. 3,5 bis 4 Stunden.
  • Tipp: Da es auf Premuda so gut wie keinen Autoverkehr gibt und die Insel wunderbar zu Fuß erkundet werden kann, reicht die Anreise mit dem Passagier-Katamaran völlig aus. Lass dein Auto am besten direkt auf dem Festland!
  • Mit dem eigenen Boot: vor Premuda gibt es ein beliebtes Bojenfeld.

Übernachtung & Versorgung

  • Unterkünfte: Da es keine Hotels gibt, erfolgt die Übernachtung ausschließlich in privaten Ferienwohnungen, Apartments oder kleinen Pensionen. Wichtig: Unbedingt rechtzeitig im Voraus buchen, da das Angebot begrenzt ist!
  • Verpflegung: Es gibt ein paar kleine Restaurants (Konobas) und einen kleinen Dorfladen für das Nötigste. Es empfiehlt sich dennoch, spezielle Medikamente oder besondere Lieblings-Lebensmittel vom Festland mitzubringen. Ausreichend Bargeld nicht vergessen, da Kartenzahlung nicht immer möglich ist!

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