Der Zrće-Strand auf der kroatischen Insel Pag, der international vor allem als Zentrum des europäischen Party-Tourismus bekannt ist, strebt laut einem Bericht des Zadarski list einen strategischen Imagewechsel an. Die Verantwortlichen kündigen an, den Rhythmus der Destination zu „beruhigen“ und das Angebot von einer reinen Nachtclub-Location zu einer Ganztages-Destination auszubauen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass dieser Wandel primär ökonomischen und strukturellen Motiven folgt.
Status Quo: Die Realität des Massentourismus
Um die geplante Transformation einordnen zu können, müssen die aktuellen Dimensionen der Destination betrachtet werden. Zrće operiert im Bereich des massenhaften Event-Tourismus:
- Besuchervolumen: Über 1 Million Touristen jährlich.
- Internationalität: Gäste aus mehr als 85 Nationen.
- Auslastung: In der Hochsaison drängen sich täglich zwischen 7.000 und 10.000 Menschen an dem Strandabschnitt.
- Eventdichte: Ein Kalender mit über 25 Großveranstaltungen.
Diese Zahlen verdeutlichen zwar eine wirtschaftliche Erholung des Festivaltourismus nach den Pandemiejahren, sie markieren jedoch auch die Kapazitäts- und Belastungsgrenzen der lokalen Infrastruktur auf der Insel Pag.
„Entschleunigung“ als wirtschaftliche Strategie
Der Kern der neuen Strategie sieht vor, den klassischen, oft von Exzessen geprägten „Party-Tourismus“ hinter sich zu lassen und die Besucher dazu zu animieren, den gesamten Tag am Strand zu verbringen.
Ein wesentliches Instrument hierfür ist die Aufwertung des gastronomischen Angebots. Das bisherige Fast-Food-Konzept soll durch hochwertigere Kulinarik abgelöst werden. Kritisch betrachtet ist dies ein klassischer Prozess der Premiumisierung: Durch die Aufwertung des Angebots sollen die Verweildauer verlängert und die Pro-Kopf-Ausgaben der Touristen signifikant gesteigert werden. Die Abkehr vom reinen Nachtgeschäft ist somit weniger eine philosophische Entscheidung zur Entschleunigung, sondern vielmehr der Versuch, die bisher ungenutzten Tagesstunden besser zu monetarisieren. Es steht zu erwarten, dass diese Qualitätssteigerung mit einem deutlichen Preisanstieg einhergeht, was das traditionelle, oft jüngere Party-Publikum verdrängen könnte.
Expansion statt Reduktion im Programm
Einen kleinen Widerspruch zur kommunizierten „Beruhigung“ des Strandes könnte man im musikalischen Ausbau der Destination finden.
Programmdirektor Siniša Sraga kündigt für die Saison (Mai bis September) nicht etwa eine Reduktion, sondern eine Erweiterung des Portfolios an.
Mit neuen Festivals wie Rebel Xscape, Zika und DrumWave sollen gezielt neue Musikrichtungen etabliert und bisher unerschlossene internationale Märkte angesprochen werden. Wenn eine Destination jedoch zeitgleich versucht, Tagesgäste mit Gastronomie zu binden und nachts neue Zielgruppen mit zusätzlichen Festivals anzulocken, deutet dies weniger auf einen ruhigeren Rhythmus hin. Vielmehr gleicht es der Ausweitung des Betriebs auf eine 24-Stunden-Ökonomie.
Fazit
Die im Bericht angekündigte Transformation von Zrće ist ein logischer wirtschaftlicher Schritt, um die Marke weiterzuentwickeln und den Umsatz pro Gast durch höherwertige Angebote (insbesondere in der Gastronomie) zu steigern. Die Narrative von der „Beruhigung“ des Strandes sollte jedoch kritisch hinterfragt werden. Die Einführung neuer Festivals und die Ausweitung des Angebots auf den gesamten Tag lassen eher darauf schließen, dass die touristische und infrastrukturelle Auslastung der Destination in Zukunft nicht ab-, sondern durch eine durchgehende Taktung weiter zunehmen wird.
