Die Insel Ugljan, oft als der „grüne Garten Zadars“ bezeichnet, ist durch die dichte Taktung der Fähren eng mit dem Festland verbunden. Die meisten Besucher bleiben im geschäftigen Osten der Insel. Doch wer die Hauptstraße konsequent bis an ihr nordwestliches Ende verfolgt, wo der Asphalt schließlich in Schotterwege übergeht, erreicht einen Ort von bemerkenswerter Gelassenheit: Muline. Hier endet die Insel nicht nur geografisch, hier beginnt auch eine Reise in eine tief verwurzelte Geschichte, fernab vom üblichen Tourismus-Lärm.
Das liburnische Erbe: Römische Industriegeschichte im Grünen
Muline ist kein Reißbrett-Siedlungsprojekt der Moderne. Seine Bedeutung erlangte der Ort bereits vor fast zwei Jahrtausenden. Zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert n. Chr. war diese Bucht ein vitales Zentrum der antiken Olivenölproduktion. Das hier gepresste „liburnische Öl“ genoss im gesamten Römischen Reich einen exzellenten Ruf und war ein geschätztes Handelsgut.
Wer heute durch das Dorf und die angrenzenden Wälder spaziert, stößt unweigerlich auf die steinernen Zeugen dieser Epoche. Die archäologischen Ausgrabungen sind frei zugänglich und unaufgeregt in die Landschaft aus Kiefern und Steineichen integriert. Man erkennt die Fundamente einer weitläufigen Villa Rustica, die Überreste eines Mausoleums und, besonders eindrücklich, die Basis der antiken Ölmühle. Eine originalgetreue Rekonstruktion dieser Mühle verdeutlicht heute, mit welch handwerklichem Geschick hier einst gearbeitet wurde. Es ist faszinierend zu sehen, wie die antike Struktur auch heute noch das Layout des Ortes prägt.
Die große Mole: Funktionalität und Panoramablick
Das Zentrum des maritimen Lebens in Muline ist der kleine Hafen, dominiert von einer massiven, steinernen Mole. Sie ist das Herzstück des Ortes und erfüllt in erster Linie einen pragmatischen Zweck: Sie bietet Schutz und Ankerplätze für Fischerboote und die Yachten der Segler, die hier, am Rande des Archipels, einen ruhigen Halt suchen. Der Hafen ist zweckmäßig ausgestattet, mit Muringplätzen, Strom- und Wasseranschlüssen.
Diese Mole besitzt jedoch, bedingt durch die geografische Lage Mulines, eine besondere Qualität, die sich erst am späten Nachmittag offenbart. Durch die exponierte Position im äußersten Nordwesten der Insel öffnet sich von hier ein weites Panorama auf die Adria und die vorgelagerten Inseln Sestrunj und Rivanj. Wenn sich der Tag dem Ende neigt, wird die Mole zum besten Beobachtungsposten der Region. Ohne die Störung durch Lichtverschmutzung oder eine laute Promenade im Rücken, lässt sich hier in Ruhe beobachten, wie die Sonne klar und majestätisch im Meer versinkt. Es ist ein stilles, kraftvolles Schauspiel, das keine werblichen Superlative benötigt.

Ein Ort für maritime Authentizität
Muline verzichtet bewusst auf Inszenierung. Wer hierher reist, findet keine durchgestalteten Strandpromenaden mit Souvinerständen. Stattdessen findet man in der südlich gelegenen Bucht Južna luka und entlang der Küste natürliche Badeeinstiege, die ohne das übliche Strandmobiliar auskommen. Man teilt sich den Raum mit den Einheimischen und den Seglern.
Muline ist ein Ort für Beobachter. Es ist ideal für Reisende, die sich für die echte Struktur einer dalmatinischen Inselsiedlung interessieren – für die Verbindung aus historischer Substanz und maritimer Gelassenheit. Wer den Tag am liebsten schweigend auf einer Steinmole ausklingen lässt, während das Licht langsam im Meer verlischt, wird hier fündig.
Info-Kasten: Muline kompakt
- Lage & Anreise: Muline liegt am nordwestlichen Ende der Insel Ugljan. Die Anreise erfolgt meist über Zadar (Hafen Gaženica) per Autofähre in den Inselhauptort Preko (Überfahrt ca. 25 Min., mehrmals täglich). Von Preko führt die gut ausgebaute Inselstraße ca. 14 Kilometer bis nach Muline (Fahrzeit rund 20 Min.).
- Hafen & Liegeplätze: Die große Steinmole bietet Muringplätze für Boote und Yachten mit Wassertiefen bis zu 4 Metern (am Kai ca. 3,5 Meter). Der Hafen verfügt über Strom- und Wasseranschlüsse. Segler sollten beachten: Die Mole bietet guten Schutz vor den meisten Winden, wird jedoch bei Winden aus nördlichen (N) oder nordwestlichen (NW) Richtungen unruhig durch Schwell.
- Historisches Areal: Die Ruinen der römischen Olivenölmühle, des Mausoleums und der Villa Rustica (1.–5. Jh. n. Chr.) sind frei zugänglich. Die originalgetreue Rekonstruktion der antiken Mühle befindet sich in unmittelbarer Nähe.

