Wer im Sommer mit der Yacht durch das Archipel von Šibenik kreuzt, sieht meist nur das Paradies: Kristallklares Wasser, urige Konobas und die totale Entschleunigung. Doch wer mich kennt, weiß: Mein Herz schlägt nicht nur für den Bootssport, sondern vor allem für die Menschen, die diese Region das ganze Jahr über am Leben erhalten. Und genau dort brodelt es gerade gewaltig.
Ein aktueller Bericht von Šibenik.in macht deutlich, was viele von uns im Winter oft vergessen: Während wir die nächste Saison planen, kämpfen die Bewohner von Kaprije und Žirje mit einer Infrastruktur, die kurz vor dem Kollaps steht. Außerhalb der Saison – ganze 8 Monate lang – gibt es täglich nur eine Fährverbindung zum Festland!
Ganz schlimm wird es , wenn Wetterprobleme dazu kommen: dann ist die Verbindung – manchmal für mehrere Tage – unterbrochen!
„Wir fordern häufigere Verbindungen zwischen Šibenik, Kaprije und Žirje – also allen Inseln und umgekehrt. Denn ohne diese Schiffsverbindung gibt es kein Leben auf der Insel“, betont Barbara Klisović, Präsidentin des Vereins „Periska“ in Kaprije.
Siniša Bilan, Präsident des Gemeinderats von Žirje stösst in das selbe Horn: „Wir haben kein Kino, kein Theater, keine Banken, keine Anwaltskanzleien, nichts dergleichen. Für all das muss man in die Stadt fahren, ganz zu schweigen vom Metzger und den Geschäften für den täglichen Bedarf“
Die Behörden putzen sich ab „…wenn eine lokale oder regionale Selbstverwaltungseinheit Interesse an einer Erhöhung der Verkehrsfrequenz auf einer bestimmten unrentablen Staatslinie hat, kann sie einen entsprechenden Antrag bei der Agentur nur dann stellen, wenn sie die notwendigen Mittel in ihrem Haushalt zur Deckung der Nettokosten für die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen auf dieser Linie, die durch die erhöhte Verkehrsfrequenz entstehen, gesichert hat“
Was soviel heiß wie: wenn ihr bezahlt, dann fahren wir – ein trauriges Spiel am Rücken der Inselbewohner!
ES kann nicht sein, dass wir einerseits den Insel-Tourismus feiern und andererseits zulassen, dass die Bewohner dieser Inseln als „Bürger zweiter Klasse“ behandelt werden. Kaprije und Žirje sind keine Museumsdörfer, die man im Oktober abschließt. Es sind lebendige Gemeinschaften!
Es gab viel Wirbel um den neuen Anleger in Kaprije – ein Projekt, das Millionen gekostet hat, aber bei dem die Kommunikation mit den Anwohnern scheinbar komplett auf der Strecke blieb. Wenn moderne Infrastruktur gebaut wird, muss sie den Menschen dienen, die dort leben, und nicht an ihren Bedürfnissen vorbeigeplant werden.
Für die Nautiker sind diese Inseln im Sommer die Wohnzimmer. Sie lieben die Ruhe in den Buchten von Žirje und die Gastfreundschaft in Kaprije.
Aber diese Orte haben nur eine Zukunft, wenn die jungen Familien dort bleiben können. Und das tun sie nur, wenn sie eine verlässliche 365-Tage-Anbindung an das Festland haben.
Die Verantwortlichen bei Jadrolinija und in der Regionalpolitik müssen jetzt liefern. Es braucht keine nostalgischen Notlösungen, sondern moderne, wetterfeste Schiffe und einen Fahrplan, der den Namen auch verdient.
