Helle oder dunkle Flecken? Dieser einfache Anker-Check rettet die Lungen der Adria

Wer mit dem Boot in der kroatischen Adria unterwegs ist, liebt das kristallklare, türkisblaue Wasser.
Doch unter der Oberfläche verbirgt sich ein Schatz, den wir oft übersehen oder – noch schlimmer – unbewusst zerstören: die Posidonia oceanica, besser bekannt als Neptungras oder Seekraut.

In der Fachwelt wird sie ehrfurchtsvoll als die „Lunge der Adria“ bezeichnet.

Was ist Posidonia oceanica eigentlich?

Entgegen der weitläufigen Meinung ist das Neptungras keine Alge, sondern eine Blütenpflanze.
Die Pflanze hat Wurzeln, Blätter und produziert sogar Früchte. Sie ist die am weitesten verbreitete und gleichzeitig am stärksten gefährdete Meerespflanze in unserem Meer.

Warum ist sie so wichtig für uns?

Das Neptungras erfüllt Funktionen, die für das Ökosystem der Adria überlebenswichtig sind:

  1. Sauerstoffproduzent: Ein einziger Quadratmeter Posidonia kann pro Tag bis zu 14 bis 20 Liter Sauerstoff produzieren.
  2. Lebensraum: Die Wiesen sind die „Kinderstube“ für unzählige Fischarten, Krebse und Weichtiere. Ohne das Gras würde die Artenvielfalt der Adria dramatisch sinken.
  3. Küstenschutz: Die dichten Felder bremsen die Wellenenergie und verhindern, dass unsere geliebten Strände weggespült werden.
  4. Wasserqualität: Sie filtert Schwebstoffe aus dem Wasser und sorgt so für die legendäre Sichtweite, die wir Skipper so schätzen.

Die größte Gefahr: Unser Anker

Die Posidonia ist extrem bedroht. Das größte Problem ist das unkontrollierte Ankern. Wenn ein schwerer Anker in eine Neptungraswiese fällt und beim Einholen die Wurzeln (Rhizome) herausreißt, entstehen Wunden im Meeresboden, die sich kaum schließen.

Das Problem: Posidonia wächst extrem langsam – oft nur wenige Zentimeter pro Jahr. Ein einziger unvorsichtiger Ankermanöver kann eine Fläche zerstören, die Jahrzehnte gebraucht hat, um zu wachsen.

Was können wir als Skipper tun?

Wir alle wollen die Schönheit der Adria auch in Zukunft genießen. Deshalb hier ein paar einfache Regeln für euren nächsten Törn:

  • Augen auf beim Ankern: Sucht euch helle Flecken am Meeresboden. Sandiger Grund ist der perfekte Halt für euren Anker und schadet der Natur nicht. Die dunklen Flecken sind meistens Posidonia – hier solltet ihr den Anker oben lassen.
  • Bojen nutzen: Wo immer Bojenfelder vorhanden sind, nutzt sie! Sie sind die sicherste und umweltfreundlichste Methode, um über Nacht zu bleiben.
  • Apps nutzen: Es gibt mittlerweile Apps und digitale Seekarten, die Schutzgebiete und Neptungraswiesen anzeigen.
  • Weitersagen: Klärt eure Crew und befreundete Segler auf. Bewusstsein ist der erste Schritt zum Schutz.

Fazit

Die „Lungen der Adria“ zu schützen, ist kein lästiger Öko-Trend, sondern eine Notwendigkeit, damit das Meer so bleibt, wie wir es lieben!

Achtet beim nächsten Mal darauf, wo ihr euren Anker fallen lasst. Das Meer wird es euch danken!

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