Abseits der bekannten Pfade Dalmatiens, verborgen im Hinterland, schlummert ein archäologisches Juwel, das eigentlich eine erstklassige Weltattraktion sein müsste: Die liburnisch-römische Stadt Asseria.
Doch wer den Ort heute besucht, den überkommt oft ein Gefühl der Wehmut. Es ist traurig zu sehen, in welchem Zustand sich diese einst so mächtige und bedeutende Metropole heute befindet.
Eine Reise in die Vergangenheit: Wo liegt Asseria?
Auf einer Anhöhe zwischen den Regionen Bukovica und Ravni Kotari, genauer gesagt auf dem Gebiet des heutigen Dorfes Podgrađe unweit von Benkovac im nördlichen Dalmatien, ragen noch immer beeindruckende Stadtmauern in den Himmel. Die Wurzeln von Asseria reichen tief bis in die Eisenzeit zurück.
In der Antike lag die Stadt an einem strategisch äußerst wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Sie verband die Küstenstadt Jader (das heutige Zadar) mit dem Landesinneren. Von hier aus führten die Straßen weiter zu bedeutenden Orten wie dem Militärlager Burnum und bis nach Salona, der Hauptstadt der römischen Provinz Dalmatien.
Glanz und Macht im Römischen Reich
Wenn man durch die Ruinen wandert, kann man den einstigen Reichtum der Stadt noch erahnen. Wer Asseria im 2. Jahrhundert betrat, tat dies durch einen monumentalen Triumphbogen, der zu Ehren des Kaisers Trajan errichtet wurde – ein klares Symbol für die Macht und Bedeutung der Stadt in der römischen Welt.
Im Inneren der gewaltigen Stadtmauern pulsierte das Leben auf dem Forum, dem Zentrum des öffentlichen Lebens. Zwar steht an dessen Stelle heute die Jahrhunderte später erbaute Heilig-Geist-Kirche (Crkva sv. Duha), doch die Spuren des antiken Platzes sind nach wie vor sichtbar. Auch technologisch war die Stadt fortschrittlich: Ein etwa drei Kilometer langes Aquädukt versorgte die Bewohner zuverlässig mit frischem Wasser aus nahegelegenen Quellen.

Liburnische Zippen: Zeugnisse von Leben und Tod
Ein besonderes Highlight von Asseria ist die hochentwickelte Steinmetzkunst. Die sogenannten “liburnischen Cippi” (Grabmäler) sind faszinierende Denkmäler des Lebens und des Todes. Die darauf befindlichen Inschriften erzählen von den Menschen, die hier lebten, während Symbole wie der Pinienzapfen Unsterblichkeit und ewiges Leben repräsentierten. Diese Tradition der Steinbearbeitung hat in der Region bis heute überdauert.
Eine Attraktion von Weltrang – im Dornröschenschlaf
Trotz dieser unglaublichen historischen Bedeutung und der faszinierenden Überreste ist Asseria heute in einem beklagenswerten Zustand. Eine Stätte, die anderswo auf der Welt aufwendig restauriert, gepflegt und als erstklassige Touristenattraktion beworben werden würde, ist hier oft sich selbst und dem Verfall überlassen.
Asseria ist nicht einfach nur eine Ansammlung von Ruinen. Sie ist ein stummer Zeuge von mehr als tausend Jahren Geschichte – von unzähligen Begegnungen der Kulturen, von florierendem Handel, von Kriegen und dem ganz alltäglichen Leben der Menschen, die diese Region einst ihr Zuhause nannten.
Es bleibt zu hoffen, dass der unschätzbare Wert dieses sensationellen historischen Ortes bald erkannt wird. Asseria hätte es verdient, aus dem Schatten der Vergessenheit geholt und für zukünftige Generationen geschützt und gewürdigt zu werden. Wer sich abseits des Massentourismus auf die Spuren der Geschichte begeben möchte, sollte diesem faszinierenden Ort jedoch schon jetzt definitiv einen Besuch abstatten!
Im Gegensatz zu den Gassen von Dubrovnik musst du hier keine Horden von Game of Thrones-Fans mit dem Selfie-Stick abwehren. In Asseria teilst du dir die monumentalen Ruinen ganz exklusiv mit der Geschichte… und mit etwas Glück höchstens noch mit einer gemütlich kauenden dalmatinischen Ziege, die sich kopfschüttelnd fragt, wer sich denn da schon wieder in ihr römisches Wohnzimmer verirrt hat 😉

