Es gibt Orte, die wirken wie aus der Zeit gefallen. Einer dieser Orte markiert den nordwestlichsten Punkt der Insel Dugi Otok: Der Leuchtturm Veli Rat. Er ist nicht nur ein maritimes Warnsignal, sondern ein architektonisches Juwel, das seit über 170 Jahren den Stürmen der Adria trotzt.
Ob du ein Fan von maritimer Geschichte bist oder einfach den spektakulärsten Aussichtspunkt der Region suchst – Veli Rat ist ein absolutes Muss.
Der „Größte“ der Adria? Eine Einordnung
In fast jedem Reiseführer liest man, Veli Rat sei der höchste Leuchtturm der Adria. Schaut man genau hin, muss man differenzieren:
- In Kroatien: Mit einer Turmhöhe von 36 Metern und einer Feuerhöhe von 41 Metern über dem Meeresspiegel ist er unangefochten der höchste Leuchtturm Kroatiens.
- Im Adria-Vergleich: Der Faro della Vittoria in Triest ist mit 68 Metern zwar höher, doch Veli Rat bleibt der unbestrittene König der kroatischen Küstenlinie und einer der imposantesten Bauten der gesamten Region.
Die harten Fakten: Technik und Geschichte
Der Turm wurde 1849 unter österreichisch-ungarischer Herrschaft erbaut. Bis heute ist er ein aktives und wichtiges Navigationszeichen:
- Leuchtkraft: Sein Licht hat eine Tragweite von stolzen 22 Seemeilen (ca. 40,7 km).
- Kennung: Seefahrer erkennen ihn an zwei weißen Blitzen alle 20 Sekunden (
Fl(2) W 20s). - Besonderheit: Er ist einer der wenigen Leuchttürme im Mittelmeer, die noch von einem echten Leuchtturmwärter bewohnt und bewirtschaftet werden.
Das Geheimnis der 100.000 Eier
Das markanteste Merkmal von Veli Rat ist seine sanfte, gelbe Fassade. Einer lokalen Legende nach wurden beim Bau über 100.000 Eigelb in den Putz gemischt. Was wie ein kulinarisches Kuriosum klingt, hatte einen praktischen Hintergrund: Organische Proteine wurden früher oft als Bindemittel genutzt, um Kalkfarben extrem widerstandsfähig gegen salzhaltige Luft und UV-Strahlung zu machen. Das Ergebnis spricht für sich – der Schutz hält seit über 1,5 Jahrhunderten.
Romantik und Wracks: Highlights vor Ort
Veli Rat bietet mehr als nur einen Turm. Hier sind drei Gründe, warum sich die Anreise lohnt:
- Die Kapelle St. Nikolaus: Im Hof des Geländes befindet sich eine kleine Kapelle, die dem Schutzpatron der Seefahrer gewidmet ist. Wegen der traumhaften Kulisse ist sie heute ein extrem beliebter Ort für Hochzeiten.
- Das Wrack der „Michelle“: Nur etwa 1,5 Kilometer nördlich liegt das italienische Frachtschiff „Michelle“, das 1983 auf Grund lief. Da das Wasser dort sehr flach ist, ragen Teile des Wracks aus dem Meer – ein Paradies für Schnorchler.
- Übernachten im Turm: Im Leuchtturm gibt es zwei Ferienwohnungen. Es gibt kaum etwas Vergleichbares, als nachts dem Rhythmus des Lichtsignals zuzusehen, wenn die Tagestouristen längst weg sind.
Tipps für deinen Besuch
- Anreise: Von Zadar aus mit der Fähre nach Brbinj. Ein eigenes Fahrzeug (Auto oder Roller) ist auf Dugi Otok notwendig, da der Turm abgelegen liegt.
- Aussicht: Wenn der Leuchtturmwärter vor Ort ist, kann man gegen eine kleine Gebühr die Stufen erklimmen. Der Panoramablick über Dugi Otok, die Inseln der Umgebung und das offene Meer ist atemberaubend.
- Proviant: Pack dir ein Picknick ein! Die Felsplateaus rund um den Leuchtturm laden dazu ein, den Sonnenuntergang bei einem Glas kroatischem Wein zu genießen.
Veli Rat ist ein Ort für die Seele – eine perfekte Mischung aus beeindruckender Ingenieurskunst, historischem Charme und wilder Natur. Wer Dugi Otok besucht und diesen „gelben Riesen“ auslässt, hat das Herz der Insel verpasst.
