UNESCO-Welterbe hautnah: Die faszinierende Welt der Zvončari aus Kastav

Wenn der Winter in den Hügeln hinter Rijeka seinen letzten Atemzug tut, erwacht eine Tradition, die man nicht nur sieht, sondern bis in die Knochen spürt. Es ist laut, es ist wild, und es ist eines der beeindruckendsten Kulturgüter, die Kroatien zu bieten hat: Die Zvončari.
Seit 2009 gehören diese „Glockenläuter“ offiziell zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO – und wer sie einmal live erlebt hat, weiß auch, warum.

Wer sind die Männer hinter den Masken?

Die Zvončari stammen aus der Region Kastav im Hinterland der Kvarner-Bucht. In Dörfern wie Halubje, Rukavac oder Zvoneća bereiten sich die Männergruppen monatelang auf ihren großen Auftritt während der Karnevalszeit (Pust) vor.
Ihre Mission ist so alt wie die Menschheit selbst: Mit ohrenbetäubendem Lärm den Winter vertreiben, böse Geister verscheuchen und den fruchtbaren Frühling herbeirufen.

Ein Look, zwei Welten

Obwohl das Ziel dasselbe ist, unterscheiden sich die Gruppen optisch stark voneinander. Man teilt sie grob in zwei Kategorien ein:

TypHerkunft (Beispiele)Besonderheiten
Die TierähnlichenHalubjeRiesige Tiermasken mit Hörnern und langen roten Zungen. Sie wirken wild und furchteinflößend.
Die Hut-TrägerRukavac, ZvonećaKeine Masken, dafür prachtvolle Hüte, die über und über mit bunten Papierblumen und Bändern verziert sind.

Das verbindende Element: Jedes Mitglied trägt ein schweres Schafsfell und eine massive, meist über 10 kg schwere Kuhglocke am Rücken.

Der magische Tanz: Mehr als nur Lärm

Wenn die Gruppen (oft 30 Männer oder mehr) von Dorf zu Dorf ziehen, folgen sie einem strengen Rhythmus. Ihr Gang ist kraftvoll und synchron, sodass die Glocken im perfekten Gleichtakt schlagen.

Das Highlight ist das Erreichen des Dorfplatzes:

  1. Die Männer bilden einen engen Kreis (das „Kolo“).
  2. Sie bewegen sich immer schneller und lauter werdend nach innen.
  3. Schließlich stoßen sie mit den Hüften aneinander – ein Symbol für Gemeinschaft, unbändige Kraft und den Sieg über das Dunkle.

Traditionell ist dieser Brauch reine Männersache. Die kilometerlangen Märsche mit den schweren Glocken erfordern eine enorme Ausdauer. Als Belohnung wartet in jedem Haus Wein und hausgemachte Krapfen. Einen Becher Wein abzulehnen? Das gilt als fast unmöglich

Auch wenn die Karnevalshochburg Ende Februar offiziell pausiert, ist die Symbolik jetzt am stärksten. Die Tage werden länger, die Natur im Kvarner beginnt zu atmen.
Die Energie der Zvončari hallt noch immer in den Gassen von Kastav nach.

Es ist ein Stück echtes, unverfälschtes Kroatien, das zeigt, wie tief unsere Wurzeln mit der Natur und den Jahreszeiten verbunden sind.

Wenn du die Zvončari-Masken außerhalb der Karnevalszeit sehen willst, lohnt sich ein Besuch im Heimatmuseum in Kastav. Dort kannst du die Handwerkskunst der Maskenbauer aus nächster Nähe bewundern.

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