Wer dieser Tage an der Hafenpromenade in Pula entlangschlendert, erlebt ein vertrautes Bild: Es herrscht geschäftiges Treiben. Die Ausflugsboote werden aus dem Winterschlaf geholt, geschrubbt, auf Hochglanz poliert und liebevoll für das bevorstehende Osterfest und den offiziellen Saisonstart vorbereitet. Alles wirkt wie die typische, idyllische Vorfreude auf den Sommer in Kroatien.
Doch wirft man einen Blick hinter die Kulissen, trügt die maritime Idylle. Die Gesichter der lokalen Bootsbetreiber (die sogenannten „Brodari“) sind von Sorgenfalten geprägt. Einem aktuellen Bericht vom Nachrichtenportal istra24 zufolge, schlagen die Kapitäne Alarm: Die kommende Saison steht auf wackeligen Beinen.
Das Kernproblem: Kostenexplosion und unsichere Treibstoffversorgung
Jeder, der schon einmal eine entspannte Tour zum Nationalpark Brijuni oder zum Delfine-Beobachten bei Sonnenuntergang gemacht hat, weiß, wie wertvoll diese Erlebnisse für den Istrien-Urlaub sind. Doch genau diese Touren sind massiv bedroht.
Der Grund dafür liegt auf der Hand – beziehungsweise im Tank. Neben den allgemein gestiegenen Lebenshaltungskosten und um 20 bis 30 Prozent teureren Werftgebühren bereitet den Bootsbetreibern vor allem das Schiffsdiesel Kopfzerbrechen. Es geht dabei nicht nur um drastische Preissteigerungen, sondern um eine ganz konkrete Angst vor Rationierungen.
Wie ernst die Lage ist, erklärt Vladimir Tomaš, einer der erfahrensten Bootsbesitzer in Pula, der seit Jahrzehnten Ausflüge nach Rovinj, zum Limski-Kanal oder nach Brijuni organisiert. Er bringt die Sorgen der Branche auf den Punkt:
“Das größte Problem ist derzeit der Treibstoff. Nach den Informationen, die zu uns durchdringen, ist eine mögliche tägliche Begrenzung von 250 Litern pro Boot im Gespräch. Wenn das Realität wird, fallen längere Ausflüge praktisch weg. Früher habe ich bis zu 1000 Liter am Tag verbraucht, für eine Tour nach Rovinj sind es etwa 300 Liter. Wenn das Limit bei 250 Litern liegt, müssen wir uns auf kürzere Touren konzentrieren, wie Delfinbeobachtungen oder reine Badestopps.”
Die Zwickmühle der „Brodari“
Die Bootsbetreiber stecken somit in einer klassischen wirtschaftlichen Falle. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, das Personal muss bezahlt und die Schiffe müssen gewartet werden – oft fahren die Boote aber ohnehin nicht voll besetzt, wie Tomaš ebenfalls anmerkt. Gleichzeitig wissen die Kapitäne, dass sie die extremen Mehrkosten nicht einfach 1:1 an die Touristen weitergeben können.
Erhöhen sie die Ticketpreise für einen Ausflug zu stark, bleiben die Familien und Urlauber fern. Lassen sie die Preise wie sie sind, fahren sie im schlimmsten Fall bei jeder Tour ein Minus ein. Es ist ein Balanceakt, der die Existenz vieler kleiner Familienbetriebe bedroht, die seit Generationen von und mit dem Meer leben.
Was bedeutet das für euren Urlaub?
Trotz der widrigen Umstände und der berechtigten Sorgen geben die Kapitäne in Pula nicht auf. Die Vorbereitungen zeigen: Sie wollen uns auch in diesem Jahr wieder unvergessliche Momente auf der Adria bescheren.
Für die Gäste bedeutet das:
- Ihr könnt euch weiterhin auf die wunderschönen Bootsausflüge freuen – auch wenn der Fokus in diesem Jahr vielleicht eher auf kürzeren Routen liegt.
- Bitte habt Verständnis dafür, wenn die Ticketpreise an der Promenade etwas höher ausfallen als gewohnt. Der Preisdruck auf die Betreiber ist real und hausgemacht durch globale Umstände, nicht durch Gier.
Fazit: Support your local Kapitäne!
Istrien bleibt ein absolutes Traumziel. Wenn ihr diesen Sommer in Pula seid und überlegt, ob ihr die Bootstour mitmachen sollt: Macht es! Ihr bucht damit nicht nur ein paar Stunden auf dem glitzernden Meer, sondern unterstützt direkt die hart arbeitenden lokalen Betriebe, die gerade jetzt jeden Gast brauchen, um ihre Schiffe auch im nächsten Jahr noch sicher durch die Wellen navigieren zu können.
