Mali Ždrelac: Schöne Meerenge mit Tücken – Was Skipper wissen sollten.

Wer zwischen den kroatischen Inseln Ugljan und Pašman unterwegs ist, stößt unweigerlich auf eine der markantesten Abkürzungen der Adria: die Passage Mali Ždrelac.
Sie verbindet den Kanal von Zadar mit dem offenen Meer und dem Nationalpark Kornaten. Doch was auf der Seekarte nach einer zeitsparenden Route aussieht, hat es in sich. Nicht ohne Grund gilt die Brücke von Ždrelac unter Seglern als „Masten-Killer“.

In diesem Artikel erfährst du, warum diese Meerenge so faszinierend ist und welche Fehler du bei der Durchfahrt unbedingt vermeiden solltest.

1. Die Abkürzung ins Paradies

Die Passage Mali Ždrelac ist für viele Charter-Crews der direkte Weg von Zadar oder Sukošan in Richtung der Kornaten. Statt die Inseln Ugljan oder Pašman mühsam zu umrunden (ein Umweg von gut 10 bis 14 Seemeilen), lockt der schmale Kanal als schneller Durchschlupf. Die Kulisse ist traumhaft: Türkisfarbenes Wasser, das kleine Dorf Ždrelac zur Linken und die imposante Brücke über dem Kopf.

2. Die „Seglerfalle“: Die Durchfahrtshöhe

Das größte Risiko der Passage ist die Ždrelac-Brücke. Mit einer offiziellen Durchfahrtshöhe von 16,5 Metern in der Mitte des Bogens ist sie für viele moderne Segelyachten schlichtweg zu niedrig.

  • Vorsicht bei Charteryachten: Eine Standard-Bavaria 41 oder ähnliche Modelle haben oft eine Masthöhe von 18 Metern oder mehr (inklusive Funkantenne und Windmesser).
  • Der fatale Irrtum: Viele Skipper unterschätzen die Höhe oder verlassen sich auf vage Schätzungen. Jedes Jahr “opfern” hier mehrere Yachten ihr Rigg. Das Geräusch von berstendem Aluminium unter der Brücke ist leider ein bekanntes Phänomen in der Region.

3. Tücke Strömung: Wenn das Steuern schwerfällt

Nicht nur die Höhe, auch das Wasser selbst ist tückisch. In der engen Passage können Meeresströmungen von bis zu 4 bis 5 Knoten auftreten. Insbesondere bei Gewittern kann es zu sehr unangenehmen Situationen kommen.

  • Schiebestrom: Drückt der Strom das Schiff von hinten in die Meerenge, wird das Manövrieren zur Herausforderung. Ein rechtzeitiges Aufstoppen vor der Brücke ist dann kaum noch möglich.
  • bei Gewitter, die sich in den meisten Fällen von Westen her nähern, kann es in dem Bereich zu extremen Strömungen und sehr starkem Wellenschlag – der auch in den Buchten sehr unangenehm sein kann – kommen!
  • Vorfahrtsregel: Es gilt das Recht des Stärkeren bzw. der Schifffahrtsordnung: Boote, die aus dem Norden kommen, haben in der Regel Vorrang. Dennoch sollte man immer aufmerksam sein und defensiv fahren.

4. Wassertiefe und Geschwindigkeit

Der Kanal wurde vor Jahren ausgebaggert und weist heute eine Tiefe von ca. 4 Metern auf. Das reicht für die meisten Yachten problemlos aus. Aber Achtung: Wer den Kanal verlässt und Richtung Hafen Ždrelac steuert, findet dort oft Wassertiefen von unter einem Meter vor – nur für kleine Boote geeignet! Zudem gilt in der gesamten Passage eine strikte Geschwindigkeitsbeschränkung von 8 Knoten.

5. Alternativen und Tipps für einen entspannten Törn

Wenn du dir unsicher bist, ob dein Mast passt, oder wenn starker Wind (Bura oder Jugo) die Strömung zusätzlich anheizt: Geh auf Nummer sicher!

  • Kukljica als Stopp: Direkt nördlich der Passage liegt das charmante Fischerdorf Kukljica. Es ist der perfekte Ort, um kurz festzumachen, einen Kaffee zu trinken und die Passage der anderen Boote zu beobachten.
  • Die Außenroute: Ja, der Umweg um die Südspitze von Pašman oder die Nordspitze von Ugljan dauert länger, bietet aber weite Buchten und völlige Sicherheit für dein Rigg.
  • Check die Schiffspapiere: Bevor du die Passage wagst, schau unbedingt in das technische Datenblatt deines Schiffes. Addiere zur Masthöhe immer einen Sicherheitsfaktor für die Antennen!

Mali Ždrelac ist ein wunderschönes Stück Dalmatien, aber kein Ort für Experimente. Wer die Maße seines Schiffes kennt und die Strömung respektiert, genießt eine spektakuläre Durchfahrt. Wer jedoch zweifelt, sollte lieber den langen Weg wählen – denn ein abgeknickter Mast ist der schnellste Weg, den Urlaub vorzeitig zu beenden.

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