Ein aktueller TV-Bericht im Nachrichtenmagazin Dnevnik des kroatischen Senders HRT rückt ein faszinierendes, aber oft übersehenes Juwel in den Fokus: die Majstorska cesta. Der Journalist Edi Škovrlj widmet sich in seiner Reportage der Zukunft dieser spektakulären Straße im Velebit-Gebirge. Das historische Bauwerk steht vor einer umfassenden Renovierung – doch genau hier scheiden sich die Geister, wie der Beitrag eindrucksvoll zeigt.
Ein Kulturdenkmal soll saniert werden
Die Majstorska cesta ist weit mehr als nur eine einfache Verbindungsroute; sie ist ein offiziell geschütztes Kulturgut. Die im Jahr 1832 eröffnete und 41 Kilometer lange Schotterpiste schlängelt sich von Obrovac bis nach Sveti Rok und gilt als eine der zehn attraktivsten Panoramastraßen weltweit. Nach fast zwei Jahrhunderten harten Wetterbedingungen steht nun eine dringend benötigte Sanierung an.
Vor allem die Gespanschaften Zadar und Lika-Senj treiben das Projekt massiv voran. Die Beweggründe dafür werden im HRT-Bericht deutlich hervorgehoben:
- Verbindung stärken: Die historische Straße ist ein wichtiges Bindeglied, das die Küste mit dem bergigen Hinterland vernetzt.
- Tourismus-Ausbau: Mit einer gut sanierten Route erhoffen sich die lokalen Behörden eine signifikante Aufwertung des touristischen Angebots. Die Majstorska cesta soll zu einem zentralen Anziehungspunkt für Besucher des Naturparks Velebit werden.

Der TV-Bericht zeigt den Kernkonflikt: Massentourismus vs. Naturidyll
Während die Politik die wirtschaftlichen und touristischen Vorteile einer Erneuerung sieht, stellt der HRT-Beitrag auch die entscheidende und kritische Frage nach der zukünftigen Ausrichtung: Welche Identität wünschen wir uns für dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst?
Die Architektin Dr. sc. Ana Sopina, die im Fernsehbericht als Expertin zu Wort kommt, bringt diesen Konflikt auf den Punkt. Die Strecke trägt ihren Namen laut ihr völlig zu Recht (auf Deutsch bedeutet er „Meisterstraße“), doch sie warnt eindringlich davor, das sensible Gebiet dem Kommerz zu opfern. Ihr Appell im Fernsehen ist ein klares Statement:
“Dies ist kein Raum für Massentourismus, dies ist ein Raum, der ruhig bleiben muss.” – Dr. sc. Ana Sopina
Aktuell wird die Straße laut der Reportage vor allem von kleinen Gruppen von Naturfans, Wanderern und Individualtouristen befahren, die die spektakulären Ausblicke auf die Felsen der Tulove grede schätzen. Die Befürchtung vieler Naturschützer ist, dass eine zu starke und “bequeme” Sanierung diese einzigartige Stille und Wildnis für immer zerstören könnte.
Fazit: Die Meisterprüfung der Gegenwart
Der sehenswerte Beitrag des HRT macht unmissverständlich klar: Die bevorstehende Renovierung der Majstorska cesta ist ein heikler Balanceakt. Es gilt, ein historisches Bauwerk vor dem Verfall zu retten und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, ohne das Naturreservat Velebit in eine überlaufene Touristenhochburg zu verwandeln.
Ob es den heutigen Planern gelingt, diesen Spagat ebenso meisterhaft zu meistern wie einst den Ingenieuren des 19. Jahrhunderts den Bau der Straße, bleibt abzuwarten. Es ist zu hoffen, dass die Mahnung aus dem TV-Beitrag Gehör findet und die Majstorska cesta das bleibt, was sie in ihrem Kern ist: ein ehrfurchtgebietendes Naturerlebnis.
