Wer an Istrien denkt, hat meistens das tiefblaue Meer, den Duft von Trüffeln oder ein Glas gut gekühlten Malvazija im Kopf.
Doch heute entführe ich euch an einen Ort, der wieder einmal beweist, dass Istrien auch eine fast surreale, fast schon magische Seite hat. Ein Ort, an dem die Natur die harten Gesetze der Ingenieurskunst einfach mal ignoriert hat.
Willkommen auf der Pijana Pruga – der „betrunkenen Eisenbahn“.
Was ist die Pijana Pruga?
Die Pijana Pruga ist ein stillgelegter Abschnitt der Eisenbahnstrecke zwischen Lupoglav und Štalije. Ursprünglich in den 1950er Jahren erbaut, um Kohle aus den Minen von Raša zu transportieren, passierte hier etwas Einzigartiges: Der Untergrund unter den Gleisen gab nach.
Durch Erdrutsche und die Beschaffenheit des Bodens haben sich die Schienen so stark verbogen, geneigt und gehoben, dass es heute aussieht, als hätten die Gleisbauer nach einer langen Nacht im Weinkeller gearbeitet. Die Schienen schlagen Wellen, neigen sich in unmöglichen Winkeln und wirken wie eine Achterbahn, die mitten im Wald stehen geblieben ist.
Warum ihr diesen Ort besuchen müsst
Es gibt drei Gründe, warum dieser Spot auf eure Istrien-Bucket-List gehört:
- Das perfekte Foto: Für Fotografen und Instagram-Enthusiasten ist die Pijana Pruga ein Spielplatz. Die bizarren Kurven der Schienen im Kontrast zur wilden Natur Istriens bieten Perspektiven, die man so nirgendwo anders findet.
- Die Aussicht: Die Strecke verläuft am Hang des Učka-Gebirges. Während ihr über die schiefen Schwellen balanciert, habt ihr einen atemberaubenden Blick über das Čepić Polje (das Čepić-Feld), ein ehemaliger See, der heute fruchtbares Ackerland ist.
- Die Stille: Hier gibt es keinen Massentourismus. Es ist ein Ort der Entschleunigung (im wahrsten Sinne des Wortes, denn schnell laufen kann man auf diesen Schienen sowieso nicht).
So kommt ihr hin (Insider-Tipps)
Die Pijana Pruga ist ein echter Geheimtipp und nicht direkt mit dem Auto befahrbar.
- Startpunkt: Das Dorf Kožljak. Parkt euer Auto in Zagrad nahe Kožljak bei der Kirche des Hl. Kreuzes oder am Dorfrand.
- Der Weg: Von dort aus führt ein 15 minütiger Wanderweg direkt zu den Schienen. Es ist keine anstrengende Bergsteiger-Tour, aber festes Schuhwerk ist Pflicht – auf verbogenen Eisenbahnschwellen zu laufen, erfordert ein bisschen Balance.
- Beste Zeit: Der Frühling oder der Herbst. Im Sommer kann es auf der freien Strecke sehr heiß werden, und im Winter ist der Nebel zwar atmosphärisch, verbirgt aber die grandiose Fernsicht.
Kleiner Tipp: Packt euch eine Jause (Brotzeit) ein. Es gibt kaum einen besseren Ort für ein Picknick als auf einer stillgelegten Eisenbahnbrücke mit Blick über das grüne Herz Istriens.
Die Pijana Pruga ist das perfekte Beispiel dafür, warum das Hinterland in Istrien so besonders ist.
Es ist unperfekt, es ist wild und es erzählt Geschichten von früher. Wer die Seele der Halbinsel verstehen will, muss manchmal die ausgetretenen Pfade (oder glatten Straßen) verlassen und sich auf die schiefe Bahn begeben 😉
