Land unter in Dalmatien: Was steckt genau hinter der „zyklonalen Flut“?

Wer in den letzten Tagen die Nachrichten aus Dalmatien verfolgt hat, sah beeindruckende Bilder: wir hatten hier sehr starken Jugo, der an machen Orten Wellen mit einer Höhe von bis zu 6 Metern auslöste. (Leuchtturm Blitvenica, wir berichteten)

Gestern war es dann vom Wind her ein einen einigermaßen ruhiger Tag, was jedoch einige sorgenvolle Blicke auf die eine oder andere Bootsleine auslöst, war ein extrem gestiegener Wasserspiegel.
Besonders die Uferpromenaden von Hvar, Omiš und Trogir waren betroffen – hier flutete gegen 15:00 Uhr das Meer die Küstenlinie, das salzige Nass drang in zahlreiche Häuser in der “ersten Reihe” ein.
Doch was genau ist hier passiert? Es war kein gewöhnliches Hochwasser, sondern ein Phänomen, das wir in der Adria als „Ciklonalna plima“ (zyklonale Flut oder Sturmflut) bezeichnen.

Die perfekte Kombination: Tiefdruck und Jugo

Die aktuelle Wetterlage in Dalmatien war geprägt von einem extrem niedrigen Luftdruck und einem starken Südwind, dem berüchtigten Jugo. Wenn diese beiden Faktoren zusammenkommen, passiert physikalisch Folgendes:

  1. Der „Barometer-Effekt“: Ein fallender Luftdruck wirkt wie ein Sog auf die Meeresoberfläche. Man sagt grob: Sinkt der Luftdruck um 1 Hektopascal (hPa), steigt der Meeresspiegel um etwa einen Zentimeter. Bei einem massiven Tiefdruckgebiet kann das Meer allein dadurch schon deutlich höher stehen als normal.
  2. Der Windstau: Der starke Jugo peitscht das Wasser aus dem offenen Meer direkt in die Buchten und Kanäle der dalmatinischen Küste. Das Wasser wird regelrecht gegen das Land „gestapelt“ und kann nicht abfließen.

Das Ergebnis ist eine sogenannte zyklonale Flut, die weit über das übliche Gezeitenniveau hinausgeht.

Hvar, Omiš und Trogir besonders betroffen

Besonders schwer traf es diesmal Orte, die geografisch für solche Phänomene anfällig sind. In Omiš drückte das Meer zudem gegen die Mündung des Flusses Cetina, was zu einem ungewöhnlichen Mischungsverhältnis aus Süß- und Salzwasserhochwasser führte.
In Trogir und Hvar standen kurzzeitig Teile der historischen Stadtkerne unter Wasser – ein Situation, der uns einmal mehr zeigt, wie eng das Leben in Dalmatien mit den Kräften der Natur verbunden ist.

Was bedeutet das für Bootsbesitzer?

Für uns Nautiker ist dieses Phänomen eine wichtige Erinnerung:

  • Leinen kontrollieren: Bei einer zyklonalen Flut steigen die Stege oft nicht mit (wenn sie fest verbaut sind). Die Leinen müssen entsprechend angepasst werden, damit das Boot nicht „aufgehängt“ wird oder Schaden an der Pier nimmt.
  • Wetterberichte lesen: Ein schneller Abfall des Luftdrucks ist immer ein Warnsignal, das über den reinen Wind hinausgeht.

Die Pegelstandsmessung in Split zeigte einen über 50 Zentimeter höheren Meeresspiegel als normal. 

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