Kroatien ist im Wandel. Wer früher an das Land an der Adria dachte, hatte oft Bilder von vollgepackten Autos in Richtung München oder Stuttgart im Kopf – die klassische Auswanderung. Doch die neuesten Daten von Eurostat und Berichte (wie in Večernji list) zeigen: Der Wind hat sich gedreht.
Kroatien belegt mit rund 18 Einwanderern pro 1.000 Einwohner den 6. Platz in der EU und liegt damit weit über dem Durchschnitt. Besonders spannend ist dabei der Blick auf die Herkunftsländer innerhalb der Europäischen Union.
Spitzenreiter Deutschland: Die größte Gruppe der EU-Zuwanderer
Wenn wir uns die Zuwanderung aus anderen EU-Mitgliedstaaten ansehen, gibt es einen klaren Spitzenreiter: Deutschland. Keine andere EU-Nation verlegt ihren Wohnsitz so zahlreich nach Kroatien wie die Deutschen.
Dabei handelt es sich um eine interessante Mischung:
- Die Rückkehrer: Viele Kroaten, die jahrelang in Deutschland gelebt und gearbeitet haben (oft mit deutschem Pass), kehren nun zurück, um ihren Ruhestand oder neue Projekte in der Heimat zu realisieren.
- Die neuen Residenten: Deutsche ohne kroatische Wurzeln, die das Land als „Safe Haven“, als Ort für Remote Work (Digitale Nomaden) oder schlicht wegen der höheren Lebensqualität bei (noch) geringeren Kosten wählen.
Innerhalb der EU-Zuwanderer-Statistik für Kroatien steht Deutschland damit unangefochten auf Platz 1, gefolgt von Nachbarländern wie Slowenien und Österreich.
In welchen Branchen sind die deutschen Zuwanderer aktiv?
Der Zuzug aus Deutschland ist nicht nur eine Frage des Ruhestands unter Palmen. Vielmehr besetzen Deutsche und deutschsprachige Rückkehrer wichtige Nischen im kroatischen Arbeitsmarkt:
- IT & Digitale Dienstleistungen: Dank des kroatischen Visums für digitale Nomaden und der guten Internet-Infrastruktur arbeiten viele Deutsche remote für Arbeitgeber in der Heimat oder gründen eigene Tech-Startups in Städten wie Zagreb oder Split.
- Tourismus & gehobene Hotellerie: Deutsche Sprachkenntnisse sind in Kroatien Gold wert. Einwanderer arbeiten oft in Management-Positionen großer Hotelketten, betreiben eigene Boutique-Hotels oder sind als spezialisierte Reiseveranstalter tätig.
- Kundenservice & Shared Service Center: Viele internationale Unternehmen haben ihre Support-Zentren nach Kroatien verlegt. Hier werden gezielt Muttersprachler für den deutschen Markt gesucht – ein Sektor, der stabil wächst.
- Immobilien & Projektentwicklung: Viele Zuwanderer sind als Immobilienmakler oder Berater tätig, die deutschen Käufern helfen, im kroatischen Markt Fuß zu fassen.
- Handwerk & Beratung (Rückkehrer): Dank staatlicher Förderprogramme wie “Biram Hrvatsku” (Ich wähle Kroatien) kehren viele Fachkräfte mit deutschem Know-how zurück, um sich in ihrer alten Heimat selbstständig zu machen.
Der Blick über den Tellerrand: Wer kommt noch?
Auch wenn Deutschland innerhalb der EU führt, wird das Gesamtbild der Zuwanderung massiv von Ländern außerhalb der Union geprägt. Kroatiens Wirtschaft boomt, vor allem im Bau und Tourismus, was zu einem enormen Bedarf an Arbeitskräften führt.
Hier sind die weiteren Top-Herkunftsländer:
- Asien (Nepal, Indien, Philippinen): Diese Länder bilden das Rückgrat der neuen Arbeitsmigration. Allein aus Nepal stammen über 14 % der Zuwanderer.
- Die Nachbarn (Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kosovo): Aufgrund der sprachlichen Nähe und alten Verbindungen bleibt der Zuzug aus der Region eine tragende Säule.
Ein “männliches” Phänomen
Ein bemerkenswerter Aspekt der aktuellen Statistik: Die Zuwanderung nach Kroatien ist so männlich wie in keinem anderen EU-Land. Rund 73,6 % der Einwanderer sind Männer. Das unterstreicht, dass es sich primär um eine Arbeitsmigration in Branchen wie dem Baugewerbe handelt, während der Familiennachzug oder die Zuwanderung von Frauen noch deutlich geringer ausfallen.
Kroatien als neuer Magnet
Kroatien hat sich vom reinen Urlaubsland zu einem echten Einwanderungsziel entwickelt. Dass ausgerechnet die Deutschen die Liste der EU-Zuwanderer anführen, zeigt, wie eng die beiden Länder heute verwoben sind – nur dass der Strom heute eben auch verstärkt in Richtung Süden fließt.
