Oft wird über Blitzer und Radarkontrollen geschimpft – sie gelten vielen Autofahrern lediglich als lukrative Einnahmequelle für den Staat. Doch ein Blick nach Dalmatien zeigt, dass Verkehrsüberwachung auch völlig anders wahrgenommen werden kann. Die kroatische Polizei geht aktuell einen erfrischend innovativen Weg und setzt auf „Community Policing“ in Bestform. Das Motto lautet: Mitbestimmung statt reiner Maßregelung.
Der kroatische Weg: Crowdsourcing für mehr Sicherheit
Im Rahmen der europaweiten ROADPOL-Aktionen hat die Polizei bei uns jetzt einen bemerkenswerten Aufruf gestartet: Anstatt die Standorte der Radarkontrollen streng geheim im stillen Kämmerlein auszuarbeiten, wird die Bevölkerung aktiv dazu aufgerufen, eigene Vorschläge einzureichen.
Die Bürgerinnen und Bürger können genau die Straßen, Kreuzungen oder Zonen melden, an denen ihnen Raser am meisten Sorgen bereiten. Die Polizei sammelt diese Daten, wertet sie aus und integriert sie direkt in die Routenplanung für den großen 24-Stunden-Blitzermarathon.
Die Fakten zur aktuellen Aktion in Dalmatien
Um zu sehen, wie das in der Praxis abläuft, lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Kampagne in der beliebten Urlaubsregion rund um Split:
- Wann wird kontrolliert? Der große 24-Stunden-Blitzermarathon findet am 15. April statt. Dies geschieht im Rahmen der europaweiten ROADPOL-Verkehrssicherheitswoche.
- Wo findet die Aktion statt? Der aktuelle Aufruf zur Bürgerbeteiligung läuft konkret in der Region Dalmatien, genauer gesagt im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Split-Dalmatien (PU splitsko-dalmatinska).
- Wann kann gemeldet werden? Die Polizei hat den offiziellen Aufruf bereits Ende März (am 23. März) gestartet. In den Wochen vor dem eigentlichen Blitzermarathon haben die Anwohner nun ausreichend Zeit, sich an die Behörden zu wenden.
- Wie funktioniert die Meldung? Die Bürger können ihre Vorschläge und Hinweise auf gefährliche Raser-Strecken ganz unbürokratisch an die offiziellen Kontaktadressen (z. B. per E-Mail) der zuständigen Polizeidienststelle schicken. Nach Ablauf der Frist analysiert die Polizei alle Einsendungen und wählt die am besten geeigneten und am häufigsten genannten Standorte für den 15. April aus.
Warum dieser Ansatz so genial ist
Aus der Außenperspektive betrachtet, bietet dieses Modell gleich mehrere entscheidende Vorteile, von denen sich auch Polizeibehörden im DACH-Raum eine Scheibe abschneiden könnten:
1. Höhere Akzeptanz: Wenn genau dort kontrolliert wird, wo es sich die Anwohner wünschen (z.B. vor Kindergärten, Schulen oder in unübersichtlichen Wohngebieten), verschwindet das Argument der „Abzocke“. Die Maßnahme wird als echter Service an der Gemeinschaft wahrgenommen.
2. Nutzung von lokalem Schwarmwissen: Niemand kennt die tatsächliche Verkehrsdynamik, die gefährlichen Schleichwege und die Uhrzeiten, zu denen besonders gerast wird, besser als die Menschen, die dort leben. 3. Stärkung des Vertrauens: Durch die aktive Einbindung auf Augenhöhe zeigt die Polizei: „Wir nehmen eure Sorgen ernst und handeln in eurem Auftrag.“
Ein Vorbild für uns?
Die Initiative unserer Behörden beweist, dass moderne Polizeiarbeit transparent, bürgernah und innovativ sein kann. Es macht aus einer oft ungeliebten Maßnahme ein gemeinschaftliches Projekt für mehr Verkehrssicherheit.
Ein Blitzermarathon, der zu großen Teilen von den Bürgerinnen und Bürgern selbst geplant wird, könnte die Debatte um Tempolimits und Radarkontrollen auch bei uns auf eine völlig neue, konstruktive Ebene heben.
Wir sind gespannt auf die Meinungen aus der Bevölkerung und werden berichten!
