Nur zwei Kilometer vom Stadtzentrum von Pula entfernt, mitten in der Bucht, liegt ein Ort, der jahrzehntelang für die Öffentlichkeit tabu war: Die Insel Sveti Andrija (St. Andreas).
Lange Zeit war dieses kleine Eiland ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. Doch das hat sich vor kurzem geändert. Die Insel ist seit Ende 2025 wieder zugänglich – allerdings unter einer Bedingung, die Abenteurer aufhorchen lässt: Der Besuch erfolgt ausschließlich auf eigene Verantwortung.
Ein Ort mit bewegter Geschichte
Sveti Andrija ist weit mehr als nur ein Stück Land im Meer. Ihre Geschichte reicht bis in die byzantinische Zeit zurück, wovon heute noch die Ruinen einer kleinen Kirche und eines Klosters zeugen, die der Insel ihren Namen gaben.
Doch die Insel hat auch eine deutlich martialischere Seite. Während der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde hier die imposante Festung Kaiser Franz errichtet, weshalb die Insel im Volksmund oft auch „Otok Franz“ genannt wird. Später diente sie militärischen Zwecken und wurde schließlich vom bekannten Uljanik-Schiffbauunternehmen als Lager für Schiffsteile und Maschinen genutzt.
Warum war sie geschlossen?
Über Jahrzehnte hinweg war der Zugang für Zivilisten streng verboten. Die industrielle und militärische Nutzung machte die Insel zu einer Sperrzone. Für die Einwohner von Pula blieb Sveti Andrija ein Ort der Legenden – ein Stück Land, das man zwar vom Ufer aus sehen, aber nicht betreten durfte.
Was erwartet Besucher heute?
Erst vor kurzem wurden die tonnenschweren Schiffsteile der Werft entfernt und minimale Bedingungen geschaffen, um die Insel wieder für Besucher zu öffnen. Doch wer hier einen perfekt ausgebauten Touristen-Hotspot erwartet, wird enttäuscht (oder positiv überrascht) sein:
- Keine Infrastruktur: Es gibt keine Cafés, keine Toiletten und keine organisierten Touren.
- „Lost Place“-Charakter: Die Gebäude, von der Festung bis zu den alten Lagerhallen, werden langsam von der Natur zurückerobert. Der Verfall verleiht dem Ort eine mystische, fast schon unheimliche Atmosphäre.
- Unterwasser-Geheimnisse: Direkt vor der Westküste der Insel ruht in der Tiefe ein berühmtes Wrack: Die SMS Viribus Unitis, das Flaggschiff der österreichisch-ungarischen Marine, das hier 1918 versenkt wurde.
Wichtige Tipps für den Besuch
Falls du planst, Sveti Andrija zu erkunden, solltest du folgendes beachten:
- Transport: Es gibt derzeit keinen offiziellen Fährverkehr. Du musst ein eigenes Boot, ein Kajak oder ein Wassertaxi nutzen.
- Sicherheit: Die Behörden warnen ausdrücklich, dass die Gebäude baufällig sein können und es keine gesicherten Wege gibt. Festes Schuhwerk und Vorsicht sind ein Muss!
- Respekt: Da der Ort für die lokale Bevölkerung eine hohe emotionale Bedeutung hat und ein historisches Erbe darstellt, sollte man sich respektvoll verhalten und keinen Müll hinterlassen.
Sveti Andrija ist kein Ziel für den klassischen Strandurlaub. Es ist ein Ort für Entdecker, Geschichtsinteressierte und Fans von „Lost Places“. Wer die Einsamkeit sucht und den Hauch der Geschichte spüren möchte, findet hier – direkt vor den Toren Pulas – ein echtes Abenteuer.
