Wer in Dalmatien unterwegs ist, weiß: Das kristallklare Wasser ist im Sommer das Wohnzimmer der Nautiker. Aber wie in jedem Wohnzimmer gibt es Mitbewohner, mit denen man lieber nicht kuscheln möchte.
In den letzten Jahren hat sich ein Gast in der Adria breitgemacht, der optisch zwar ein echter Hingucker ist, es aber faustdick hinter den Borsten hat: der Vatreni crv – der Bart-Feuerborstenwurm (Hermodice carunculata).
Da die Wassertemperaturen der Adria seit einigen Jahren stetig steigen, fühlt sich dieser eigentlich tropische Bursche bei uns pudelwohl.
Fischer berichten auch jetzt im Winter von einem erhöhten Aufkommen. Der Wurm ist jetzt zwar temperaturbedingt in einer Art Ruhephase, jedoch nach wie vor in Felsspalten oder am Meeresboden vorhanden.
Wer ist der bunte Typ eigentlich?
Der Feuerwurm ist ein Borstenwurm, der bis zu 30 cm lang werden kann. Er leuchtet in den tollsten Farben – von grellem Orange über Rot bis hin zu einem giftigen Grün. Er sieht fast aus wie ein bunter Tausendfüßler, der unter Wasser eine Karnevalsparty feiert. Doch die Schönheit trügt.
Warum “Feuer”-Wurm?
Der Name ist Programm. Der Wurm ist mit Tausenden von winzigen, weißen Kalkborsten besetzt. Diese Borsten sind hohl und mit einem Neurotoxin gefüllt. Bei der kleinsten Berührung brechen sie ab, bohren sich in die Haut und injizieren das Gift.
Das Ergebnis:
- Ein brennender Schmerz (als hätte man eine brennende Zigarette auf der Haut).
- Starke Schwellungen und Rötungen.
- Taubheitsgefühl oder extremer Juckreiz, der Tage anhalten kann.
- Schwellungen und Hautreize, die nur durch ärztliche Behandlung abklingen
Die Schattenseite: Eine ökologische Invasion
Es ist nicht nur der brennende Schmerz bei einer Berührung, der uns Sorgen macht. Der Feuerwurm ist ein invasiver Profiteur des Klimawandels. Da unser Meer immer wärmer wird, verschieben sich die natürlichen Grenzen. Was früher im tropischen Atlantik blieb, ist nun bei uns in Dalmatien heimisch und vermehrt sich rasant.
Ein gefräßiger Allesfresser ohne Feinde
In unseren Gewässern hat der Feuerwurm kaum natürliche Fressfeinde – wer möchte schon eine „brennende Nadel“ verspeisen? Das führt zu einer massiven Störung des ökologischen Gleichgewichts:
- Dezimierung von Korallen: Der Wurm stülpt seinen Magen über Korallenspitzen und saugt das lebende Gewebe ab. Zurück bleiben tote, weiße Skelette.
- Gefahr für Seesterne: Er macht vor nichts halt. Er greift Seesterne direkt an und frisst sie oft bei lebendigem Leibe auf, wenn diese geschwächt sind.
- Fischerei-Killer: Fischer berichten immer öfter, dass Feuerwürmer die Netze befallen und den Fang anfressen, noch bevor er an Bord gezogen werden kann.
Wo lauert er und wie schützt du dich?
Heute begegnest du ihm überall – von den Klippen von Dugi Otok bis zu den Buchten von Vis. Er liebt felsige Küsten in geringer Tiefe, Seegraswiesen und Hafenmauern.
Das „Skipper-Protokoll“: Erste Hilfe bei Kontakt
Solltest du beim Anlegen oder Schwimmen doch mal Kontakt haben: Bewahre Ruhe und reibe die Stelle niemals! Damit drückst du die Borsten nur tiefer rein.
- Der Klebeband-Trick: Nimm ein Stück Klebeband (Panzertape oder Tesafilm von Bord) und drücke es vorsichtig auf die Stelle. Zieh es ruckartig ab, um die Borsten herauszuziehen.
- Essig-Kur: Spüle die Stelle mit Essig ab. Das neutralisiert viele der giftigen Proteine.
- Kühlen: Eis oder kaltes Meerwasser helfen gegen die Schwellung.
- Arztbesuch: Bei Anhaltenden Beschwerden oder bei allergischen Reaktionen (Schwindel, Atemnot) sofort die nächste Marina anlaufen und einen Arzt aufsuchen!
Fazit für deinen Urlaub
Der Feuerwurm ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Achtsamkeit. Die Natur verändert sich, und wir als Skipper müssen uns anpassen. Trag beim Klettern über Felsen vielleicht doch öfter mal Badeschuhe und halte beim Schnorcheln die Augen offen.
Die Adria bleibt das schönste Revier der Welt – man muss nur wissen, wer unter der Oberfläche mitpaddelt!
