Wer dieser Tage an der Küste von Vodice entlangspaziert, traut seinen Augen kaum: Das Meer hat sich weit zurückgezogen, Steinplatten liegen trocken, die sonst tief unter Wasser sind. Doch was für Fotografen ein faszinierendes Motiv bietet, sorgt im Hafen für echte Probleme.
Jüngstes Beispiel: Ein Zwischenfall im Hafen von Stražara, bei dem ein Außenbordmotor buchstäblich auf dem Meeresboden landete!
Die aktuelle Wetterlage: Hochdruckgebiet „drückt“ die Adria weg
Grund für die extrem niedrigen Wasserstände, im Kroatischen „Oseka“ genannt, ist eine Kombination aus meteorologischen Faktoren, die derzeit die gesamte Adriaküste fest im Griff haben:
- Stabiles Hochdruckgebiet: Ein mächtiges Antizyklon über Südosteuropa sorgt für einen sehr hohen Luftdruck bis zu 1029 hPa. Dieser physische Druck lastet auf der Meeresoberfläche und drückt das Wasser förmlich nach unten und aus den Buchten hinaus.
- Anhaltende Wetterstabilität: Da sich dieses Hochdruckgebiet kaum bewegt, bleibt der Wasserstand über Tage hinweg außergewöhnlich niedrig, ohne dass die Flut ihr normales Niveau erreichen kann.
- Leichte Bura-Einflüsse: Unterstützt wird das Phänomen oft schwache ablandige Winde, die das Oberflächenwasser zusätzlich vom Land weg auf das offene Meer hinaustreiben.
Die Auswirkungen im Hafen von Stražara
Wie ein aktueller Post auf Facebook zeigt, wurde diese Wetterlage einem Bootsbesitzer zum Verhängnis. Durch den extremen Rückgang des Wasserspiegels veränderte sich die Lage seines Bootes am Kai so dramatisch, dass die „Penta“ (der Außenbordmotor) nicht mehr frei im Wasser hing.
Auf den Bildern ist zu sehen, wie der Yamaha-Motor komplett unter Wasser bzw. auf dem Grund liegt. Wahrscheinlich führten zu straff gespannte Leinen in Kombination mit dem sinkenden Wasserspiegel dazu, dass das Heck in eine unnatürliche Position gezwungen wurde und der Motor von der Halterung rutschte oder das Boot beim Wiederanstieg des Wassers (oder durch kleine Wellen) ungünstig ausgehebelt wurde.
Was Skipper jetzt wissen müssen
Die aktuelle Wettersituation ist noch nicht vorbei. Experten raten allen Bootsbesitzern an der Adriaküste, ihre Boote jetzt aktiv zu kontrollieren:
- Leinen-Check: Sind die Festmacherleinen lang genug, um den extremen Tiefstand auszugleichen? Ein Boot, das an zu kurzen Leinen „hängt“, kann bei Ebbe Schaden am Rumpf oder an der Steganlage nehmen.
- Motor-Position: Sollte der Motor hochgetrimmt werden? In extrem flachen Häfen wie Stražara kann der Schaft bei Ebbe auf dem Grund aufsetzen.
- Sicherung: Ist der Außenborder zusätzlich mit einem Sicherheitsseil gesichert, falls er sich durch die Hebelwirkung der Gezeiten lockert?
Fazit: Das ruhige, Hochdruckwetter trügt. Für Bootsbesitzer bedeutet die aktuelle „Oseka“, wachsam zu sein. Ein kurzer Besuch im Hafen kann jetzt darüber entscheiden, ob der Motor trocken bleibt oder – wie in Stražara – zum Fall für die Werkstatt wird.
