Abseits der ausgetretenen Touristenpfade, versteckt im rauen Hinterland der Region Dubrovnik (Dubrovačko primorje), schlummert ein archäologisches Geheimnis, das selbst erfahrene Historiker vor ein Rätsel stellt.
Ein aktueller Bericht des Portals Dalmacija Danas und faszinierende neue Aufnahmen des YouTube-Kanals ArheoBalkan rücken nun ein Bauwerk ins Rampenlicht, das voller Mysterien steckt:
Die historische Rotunde von Ošlje.
Eine Kirche ohne Namen und ohne Erbauer
Stell dir eine jahrhundertealte Ruine vor, von der man fast nichts weiß. Man kennt ihren ursprünglichen Namen nicht, man weiß nicht, welchem Heiligen sie geweiht war, und vor allem: Niemand weiß mit Sicherheit, wer sie erbaut hat.
Die zagonetne (rätselhaften) Überreste dieser Kirche schmiegen sich an einen Berghang nahe dem kleinen Dorf Ošlje, unweit der Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Heute stehen von dem Bauwerk nur noch die massiven, bis zu vier Meter hohen Steinmauern. Doch genau diese Mauern werfen unzählige Fragen auf.
Architektonische Seltenheit und ein akustisches Wunder
Was die Rotunde so außergewöhnlich macht, ist ihr Grundriss. Es handelt sich um einen kreisrunden Zentralbau, an den sich acht halbrunde Apsiden (Ausbuchtungen) anreihen. Aus der Vogelperspektive betrachtet, wie es die beeindruckenden Drohnenaufnahmen von ArheoBalkan zeigen, erinnert das Bauwerk an eine achtblättrige steinerne Blume. Diese Architektur ist weltweit extrem selten – in ganz Kroatien ist diese Rotunde eine von nur zwei Kirchen dieser speziellen Art.
Noch geheimnisvoller wird es, wenn man sich in das Innere der Ruine stellt. Beobachtungen zufolge besitzt das Bauwerk erstaunliche akustische Eigenschaften. Der Schall wird im Inneren der nur etwa sechs Meter breiten Rotunde gehalten und auf magische Weise verstärkt, während störende Geräusche von außen regelrecht abgewiesen werden. Wurde die Kirche also gezielt für besondere rituelle Gesänge entworfen? Auch das bleibt bis heute ein Geheimnis.
Wer erschuf das Bauwerk – und wann?
Da es keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Kirche gibt, tappen Forscher im Dunkeln. Die gängigste Theorie ordnet den Bau in die Zeit der Vorromanik, irgendwo zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert, ein. Einige Historiker vermuten, dass es sich um die private Kapelle eines mächtigen Herrschers handelte – möglicherweise des Fürsten Mihajlo Višević, der im frühen 10. Jahrhundert über die Region Zahumlje herrschte.
Neuere archäologische Funde an einer benachbarten Festung auf dem Hügel Gradac lassen bei einigen Forschern jedoch sogar die Theorie aufkommen, dass die Rotunde noch viel älter sein und bis in die Spätantike (Römisches Reich) zurückreichen könnte.
Ein verstecktes Juwel für Entdecker
Die Rotunde von Ošlje ist ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Von dicken Trockenmauern und mediterranem Grün umgeben, strahlt der Ort (der von den Einheimischen auch “Bijela lokva” genannt wird) eine unglaubliche Ruhe aus.
Für Geschichtsliebhaber, Hobby-Archäologen und Reisende, die das authentische, verborgene Kroatien abseits des Massentourismus suchen, ist dieser Ort ein absoluter Geheimtipp. Das steinernes Rätsel von Ošlje erinnert uns eindrucksvoll daran, dass Dalmatien noch unzählige ungelöste Geheimnisse birgt, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.

