Wer sich der Stadt Rab vom Meer aus nähert, dem bietet sich ein Anblick, der weltweit einzigartig ist. Vier markante Glockentürme ragen aus der Silhouette der Altstadt empor wie die Masten eines stolzen Segelschiffs. Diese „vier Masten von Rab“ sind nicht nur architektonische Meisterwerke, sondern erzählen Geschichten aus über tausend Jahren Geschichte, Glauben und Überlebenswillen.
Der „Veli Zvonik“: Die stolze Königin der Türme
Das Prunkstück des Quartetts ist zweifellos der Große Glockenturm (Veli Zvonik) der Kathedrale Mariä Himmelfahrt. Er gilt als einer der schönsten romanischen Türme an der gesamten Adria.
Was ihn so besonders macht? Schaut man genau hin, erkennt man eine architektonische Raffinesse: Je höher der Turm steigt, desto breiter und zahlreicher werden die Fensteröffnungen. Ganz unten gibt es einfache Monoforien (einzelne Fenster), darüber Biforien (Doppelfenster), dann Triforien und schließlich – ganz oben – prächtige Quadriforien (viergeteilte Fenster). Diese Bauweise lässt den massiven Steinturm nach oben hin immer leichter und eleganter wirken.
Erbaut wurde er vermutlich im 12. oder 13. Jahrhundert. Doch die Jahre ließen ihn nicht unberührt: Im 15. Jahrhundert schlug ein Blitz ein und zerstörte die ursprüngliche Spitze, woraufhin er im Stil der Zeit mit einer gotischen Pyramide gekrönt wurde. Wer die Stufen nach oben erklimmt, wird mit einem Panorama belohnt, das man nie wieder vergisst: die roten Dächer der Stadt auf der einen Seite, das tiefe Blau der Adria auf der anderen und das grüne Band des Kalifront-Waldes im Hintergrund.
Die drei Begleiter: Ein Ensemble aus Stein
Obwohl der Veli Zvonik der prominenteste ist, vervollständigen erst die anderen drei Türme das berühmte Stadtbild:
- Der Glockenturm des Heiligen Andreas: Er ist der Senior in der Runde. Er gehört zum Benediktinerinnenkloster und stammt bereits aus dem 11. Jahrhundert (1181). Seine schlichte, robuste Form ist ein Musterbeispiel für die frühe Romanik.
- Der Glockenturm der Heiligen Justina: Dieser Turm fällt sofort durch seine ungewöhnliche „Zwiebelhaube“ auf, die erst später im Barockstil hinzugefügt wurde. Heute beherbergt die Kirche ein Museum für sakrale Kunst, in dem man unter anderem den Schädel des Heiligen Christophorus, des Schutzpatrons von Rab, besichtigen kann.
- Der Glockenturm des Heiligen Johannes des Evangelisten: Er steht neben den Ruinen der einst gewaltigen Basilika. Während die Kirche im 19. Jahrhundert verfiel, blieb der Turm standhaft. Er ist der einzige, den man heute umrunden kann, um die Überreste der antiken Architektur hautnah zu spüren.
Für die Bewohner von Rab sind die Türme mehr als nur Orientierungspunkte. Sie sind Symbole für die Beständigkeit. Ob Piratenüberfälle, Pestepidemien oder die wechselnden Herrschaften von Venedig bis Österreich – die Türme blieben stehen.
Besonders magisch wird es zur Dämmerung, wenn die Sonne hinter der Halbinsel Kalifront versinkt und die Kalksteine der Türme in ein warmes, goldenes Licht taucht. Wenn dann die Glocken zu läuten beginnen, versteht man, warum Rab oft als die „Stadt der Kunst und des Geistes“ bezeichnet wird.
Tipps für euren Besuch:
- Beste Zeit: Geht am späten Nachmittag hinauf auf den Veli Zvonik. Das Licht für Fotos ist dann perfekt.
- Schwindelfreiheit: Die Treppen im Großen Glockenturm sind teilweise steil und eng – tragt festes Schuhwerk!
- Kultur verbindet: Nutzt die Gelegenheit, die Kirchen im Inneren zu besuchen. Oft finden dort im Sommer klassische Konzerte mit einer Akustik statt, die Gänsehaut garantiert.
Viele Menschen sind der Meinung, dass man nie wirklich auf Rab war, wenn man nicht mindestens einmal den Blick von den Türmen über die Kvarner Bucht schweifen ließ.
Wir schließen uns dieser Meinung an 😉
