Wer das magische Inselarchipel der Kornaten vor der Küste Dalmatiens schon einmal besucht hat, wird von der rauen Schönheit dieses Ortes sofort in den Bann gezogen. Inmitten dieser kargen, fast mondartigen Landschaft aus strahlend weißem Karst und tiefblauem Meer verbirgt sich jedoch nicht nur unberührte Natur, sondern auch ein faszinierendes Stück Geschichte: Die Festung Tureta.
Ein Wächter aus byzantinischer Zeit
Die Festung Tureta (kroatisch: Utvrda Tureta) thront majestätisch auf einem Hügel der Hauptinsel Kornat und gilt als das bedeutendste historische Bauwerk des gesamten Nationalparks. Ihre Wurzeln reichen tief in die byzantinische Epoche zurück – erbaut wurde sie aller Wahrscheinlichkeit nach im 6. Jahrhundert.
Damals diente sie vor allem einem militärischen Zweck: Von diesem strategisch perfekten Aussichtspunkt aus ließ sich die Schifffahrt im oft unberechenbaren Adriatischen Meer und speziell im Kornat-Kanal optimal überwachen und sichern. Die byzantinische Garnison, die hier stationiert war, hatte buchstäblich das gesamte Archipel im Blick.
Ein architektonisches Wunderwerk im Dornröschenschlaf
Was Tureta so besonders macht? Sie ist die einzige Festung aus dieser Zeitepoche in der Region, die nicht zerstört wurde. Der Grund dafür ist so simpel wie faszinierend: Da es in der unmittelbaren Umgebung keine nennenswerten Siedlungen gab, kamen die Menschen schlichtweg nicht auf die Idee, die massiven Steine der Festung als Baumaterial für ihre eigenen Häuser abzutragen.
So blieb das rechteckige Bauwerk in seiner Grundstruktur über die Jahrhunderte erhalten. Auch wenn sich die Festung heute in einem etwas vernachlässigten Zustand befindet, zeugt sie noch immer eindrucksvoll von der handwerklichen Brillanz ihrer Erbauer und trotzt standhaft Wind und Wetter.
Das Rätsel um die Kirche am Fuße des Hügels
Direkt unterhalb der Festung, malerisch eingebettet zwischen einer kleinen Bucht und dem fruchtbaren Tarac-Feld, liegt die kleine Kirche der Heiligen Maria (Gospa od Tarca).
Historiker und Archäologen stehen hier vor einem spannenden Rätsel: Wurden die Kirche und die Festung gleichzeitig erbaut? Oder ist eines der Gebäude älter? Diese Frage konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden. Sicher ist nur, dass die Lage kein Zufall war – das Zusammenspiel aus dem schützenden Bauwerk oben und dem spirituellen sowie landwirtschaftlichen Zentrum unten (wo sich früher auch Süßwasserquellen befanden) war strategisch klug gewählt.

So planst du deinen Besuch: Anfahrt und Ausblick
Der Besuch der Festung Tureta ist ein absolutes Highlight für jeden Kornaten-Ausflügler. Da die Insel unbewohnt und autofrei ist, erfolgt die Anreise natürlich übers Wasser.
- Die Anfahrt: Die meisten Bootstouren und Ausflüge starten von der Insel Murter (die oft als das “Tor zu den Kornaten” bezeichnet wird) oder von Zadar aus. Egal ob im Rahmen eines organisierten Tagesausflugs oder mit dem eigenen Boot – das Ziel sind die ruhigen Buchten direkt unterhalb der Festung.
- Der Aufstieg: Von der Küste aus erwartet dich eine kurze, aber lohnenswerte Wanderung hinauf zur Festung. (Tipp: Festes Schuhwerk ist hier Gold wert, da der steinige Pfad im Sommer sehr trocken und rutschig sein kann!)
- Das Panorama: Einmal oben angekommen, wirst du sofort verstehen, warum dieser Ort für eine Festung gewählt wurde. Dir bietet sich ein atemberaubender Panoramablick über das Labyrinth der 89 Inseln, Riffe und Felsen des Nationalparks. Das Zusammenspiel aus den weißen Steinklippen und dem kristallklaren Wasser der Adria ist ein Motiv für die Ewigkeit.
Die Festung Tureta ist weit mehr als nur alte Steine. Sie ist ein stummer Zeitzeuge einer bewegten Geschichte und beweist, dass der Nationalpark Kornaten eine perfekte Symbiose aus Naturwundern und jahrhundertealter Kultur bietet. Wenn du deinen nächsten Urlaub an der kroatischen Küste planst, solltest du einen Tagesausflug in die Kornaten und einen Stopp an dieser geschichtsträchtigen Festung unbedingt auf deine Liste setzen!
