Die dunkle Seite der Unvergänglichkeit: wohin mit den alten GFK-Booten?

Hinter der schönen Fassade der modernen Schifffahrt braut sich ein ökologisches Problem zusammen: Das Recycling von Booten aus Glasfaser und Harz.
Ein Thema, das der renommierte Kapitän Milo Miklaušić für morski.hr kritisch beleuchtet!

Der Fluch der Haltbarkeit

In den 1960er und 70er Jahren revolutionierte die Einführung von glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) den Bootsbau. Boote wurden leichter, schneller und vor allem: nahezu unzerstörbar. Was damals als Segen gefeiert wurde, erweist sich heute als ökologische Zeitbombe. Ein GFK-Rumpf kann 50, 60 oder sogar 100 Jahre überdauern, ohne zu verrotten.

Doch was passiert, wenn das Boot das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat? Wenn Reparaturen teurer sind als der Restwert oder wenn Erben mit dem alten Familienschatz nichts mehr anfangen können?

Ein aktueller Bericht von Morski.hr macht deutlich: Die Adria und das Mittelmeer stehen vor einer gewaltigen Herausforderung. Überall in den Marinas, an den Küsten und leider viel zu oft auch in abgelegenen Buchten oder auf dem Meeresgrund finden sich „Wracks der Moderne“.

Warum ist Recycling so schwierig?
Im Gegensatz zu Stahl oder Aluminium lässt sich GFK nicht einfach einschmelzen und wiederverwenden. Es ist ein Verbundwerkstoff. Die Glasfasern sind fest mit dem Polyester- oder Epoxidharz verbacken. Diese Trennung ist technisch extrem aufwendig und energetisch kostspielig.

Aktuell gibt es nur wenige Möglichkeiten:

  1. Mechanische Zerkleinerung: Das Material wird zu Staub oder Granulat gemahlen, das als billiger Füllstoff im Straßenbau oder in der Zementindustrie landet.
  2. Thermische Verwertung: Die Boote werden verbrannt, um Energie zu gewinnen, wobei jedoch giftige Gase gefiltert werden müssen und Schlacke übrig bleibt.
  3. Illegale Entsorgung: Die traurige Realität. Boote werden versenkt oder irgendwo im Hinterland „vergessen“.

Gerade für uns in Kroatien ist dieses Thema brisant. Unsere Wirtschaft lebt vom sauberen Meer. Die Charterflotten sind riesig, und jedes Jahr kommen neue Schiffe hinzu. Die Frage ist: Haben wir eine Infrastruktur, um die alten Generationen von Booten fachgerecht zu entsorgen? Bisher lautet die Antwort leider viel zu oft: Nein.

Gibt es Hoffnung am Horizont?

Die gute Nachricht ist, dass die Industrie langsam aufwacht. Es wird an neuen, bio-basierten Harzen geforscht, die sich am Ende des Lebenszyklus leichter lösen lassen. Auch der Ruf nach einer „Abwrackprämie“ oder einer obligatorischen Recycling-Gebühr beim Bootskauf wird lauter – ähnlich wie wir es von Autos oder Elektrogeräten kennen.

Unsere Verantwortung als Bootsliebhaber

Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, keinen Müll über Bord zu werfen, sondern sich auch Gedanken über den Lebenszyklus unserer Yachten zu machen.
Man lässt ein Boot nicht so einfach verkommen – je länger es in gutem Zustand bleibt, desto später wird es zum Entsorgungsproblem.
Und wenn der Tag des Abschieds kommt, sollte man unbedingt nach zertifizierten Entsorgungsbetrieben suchen, auch wenn das einen Preis hat.
Unsere Adria wird es uns danken.

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