Wer von euch schon einmal mit dem Boot von den Kornaten hoch und an der Westseite von Dugi Otok in Richtung Sakarun Bucht gefahren ist, kennt unter Umständen diesen Moment:
man blickt über die Reling, das tiefblaue Wasser glitzert, und plötzlich taucht da etwas auf, das so gar nicht in die Landschaft zu passen scheint. Kein zerklüfteter Felsen, kein grünes Eiland – sondern ein perfekt flacher, runder Steinkreis, der wie eine vergessene Servierplatte auf den Wellen treibt.
Willkommen auf Taljurić – dem wohl kuriosesten “Tischlein” der kroatischen Adria.
Der Name ist nämlich Programm: „Taljurić“ leitet sich vom venezianischen Wort tagliero ab, was so viel wie Schneidebrett oder Servierplatte bedeutet.
Und genau so sieht dieses winzige Eiland im Naturpark Telašćica aus. Mit einem Durchmesser von gerade einmal 60 Metern und einer Höhe von knapp 3 Metern über dem Meeresspiegel ist die Insel eine der Kuriosesten unserer Küste.
Die Launen der Natur: Eine Höhle ohne Dach
Auch wenn man näher herankommt, versteckt Taljurić sein geologisches Geheimnis. In der Mitte der Platte befindet sich nämlich ein Hohlraum, der jedoch im Laufe der Jahrtausende einen “Deckel” durch Kalkstein bekommen hat.
Es ist faszinierend zu sehen, wie die unbändige Kraft der Wellen den harten Fels so glatt und ebenmäßig geschliffen hat.
Ein Ort, an dem (fast) nichts überlebt
Man könnte meinen, so ein flacher Fels wäre der perfekte Platz für ein Picknick. Aber Taljurić ist ein einsamer, rauer Ort.
- Kein Grün: Ihr werdet hier keinen einzigen Baum und kein Büschel Gras finden.
- Die Gischt-Dusche: Sobald der Wind auffrischt – besonders wenn unser berüchtigter Jugo aus dem Süden peitscht – wird die gesamte Insel komplett mit Salzwasser überspült. Die Gischt hüllt den „Teller“ dann in einen weißen Schleier, bis er fast unsichtbar wird.
Genau deshalb ist Taljurić für Skipper auch ein wichtiger Orientierungspunkt, aber einer, vor dem man Respekt haben muss. Bei schwerer See verschmilzt er mit dem Meer und dem Horizont.
Unter Wasser explodiert das Leben
Während es oben karg zugeht, sieht es unter der Oberfläche ganz anders aus. Für die Fischer und Taucher unter euch: Rund um Taljurić ist die Strömung oft stark, und genau das lockt die Fische an. Die vertikalen Wände, die unter Wasser abfallen, sind ein Hotspot für alles, was Flossen hat.
Wenn ihr das nächste Mal in der Nähe von Sali oder im Naturpark Telašćica unterwegs seid, plant doch eine kleine „Ehrenrunde“ um Taljurić ein.
Versucht jedoch erst gar nicht dort anzulegen – es gibt keinen Schutz und der Fels ist scharfkantig. Aber drosselt den Motor, nehmt das Fernglas zur Hand und bewundert dieses kleine Naturwunder aus sicherer Entfernung. Es ist einer dieser Orte, die uns daran erinnern, wie kreativ und gewaltig unsere Natur hier in Dalmatien ist.

