Das Geisterschiff von Dugi Otok: Das Wrack der „Michele“ vor Veli Rat

Wenn man den Blick über das tiefblaue Wasser vor der Nordspitze von Dugi Otok schweifen lässt, wirkt die Idylle fast surreal. Der majestätische Leuchtturm von Veli Rat ragt in den Himmel, die Pinien duften, und das Meer glitzert in allen Türkistönen. Doch nur ein paar hundert Meter vor der Küste wartet ein stummer Zeuge einer stürmischen Nacht auf Entdecker: das Wrack der Michele.

Die Geschichte: Wie die Michele ihr Ende fand

Die Michele (oft fälschlicherweise als italienischer Frachter bezeichnet, fuhr sie zuletzt unter maltesischer Flagge) strandete im Mai 1983. Manche Insider behaupteten, dass die Crew bei stürmischer See absichtlich auf die Untiefen steuerte, um die Versicherungssumme zu kassieren. Ob Seemannsgarn oder Wahrheit – fest steht: Das 76 Meter lange und 10 Meter breite Schiff saß fest.

Lange Zeit ragten weite Teile des Aufbaus wie ein Mahnmal aus dem Wasser. Doch das Meer holt sich zurück, was ihm gehört. Wind, Wellen und die Zeit haben ihren Tribut gefordert. Heute ist von der einstigen Silhouette über der Wasseroberfläche kaum noch etwas zu sehen, was den Ort unter Wasser nur noch spannender macht.

Ein Paradies für Schnorchler und Wrack-Einsteiger

Warum viele dieses Wrack besonders lieben? Man braucht kein technisches Equipment, oder eine aufwendige Taucherausrüstung um hier echtes Abenteuer zu erleben.

  • Die Tiefe: Das Wrack liegt in einer Tiefe von nur 2 bis 7 Metern. Das bedeutet: Sonnenlicht flutet den Rumpf, was für spektakuläre Lichtspiele sorgt.
  • Flora & Fauna: In den Überresten haben sich Schwärme von Mönchsfischen, Brassen und gelegentlich sogar ein stattlicher Oktopus eingenistet. Die Natur hat das Metall längst als künstliches Riff akzeptiert.
  • Fotografie: Für Unterwasserfotografen ist die Michelle ein Traum. Die Strukturen sind gut erkennbar, und durch die geringe Tiefe sind die Farben auch ohne starken Blitz noch lebendig.

Ein paar Insider-Tipps für euren Besuch

Bevor ihr den Anker werft und ins Wasser springt, gibt es ein paar Dinge, die ihr beachten solltet:

  1. Timing ist alles: Besucht das Wrack am besten am frühen Morgen. Sobald die täglichen Besucher und auch die Ausflugsboote aus Zadar kommen, wird es voll – und die Sichtweite leidet unter den vielen Flossenschlägen.
  2. Vorsicht, scharfkantig: Auch wenn es verlockend ist, durch enge Öffnungen zu tauchen: Das Metall ist über die Jahrzehnte extrem korrodiert und scharfkantig. Passt auf eure Anzüge (und eure Haut) auf!
  3. Wind: bei Schönwetter beginnt an der Spitze von Veli Rat kurz vor Mittag meist der Maestral Welle zu bilden. Dann kann es am Wrack ungemütlich werden – unerwarteter Wellenschlag – und damit ungewollter Kontakt mit dem Schiff – war schon für so manche Schnittwunde verantwortlich
  4. Strömung: Je nach Windlage kann die Strömung an der exponierten Spitze von Dugi Otok tückisch sein. Checkt immer die Bedingungen, bevor ihr euch zu weit vom Boot entfernt.

Solltet ihr noch nie dort gewesen sein – einen Besuch ist die Michele auf alle Fälle wert. Hier bekommt man schnell ein Gefühl, welche Faszination Wracktauchen ausüben kann.

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