Ankerplatz der Träume: Ilovik, das blühende Herz der Kvarner Bucht

Wer von Lošinj aus gegen Süden setzt, der spürt es sofort: Der Rhythmus ändert sich. Am Horizont taucht ein Eiland auf, das bei genauerem Hinsehen weit mehr ist, als nur ein sicherer Ankerplatz.
Ilovik ist ein Ort, an dem sich Seefahrergeschichten, botanische Kuriositäten und ein Hauch von „American Dream“ vermischen.

Die Ansteuerung: Kurs auf die grünen Wächter

Schon beim Einlaufen in den schmalen Kanal zwischen Ilovik und der Friedhofsinsel Sveti Petar fallen sie dem Skipper ins Auge: die mächtigen Eukalyptusbäume. Sie ragen wie grüne Wächter über die Dächer des Dorfes hinaus.

Diese Giganten sind keine Laune der Natur, sondern ein Gruß aus der Ferne. Ein Seefahrer brachte die Samen einst von seinen Reisen aus Australien oder Südamerika mit nach Hause. Heute dienen die Wipfel uns Seglern als inoffizielle Landmarke: „Sobald du die Eukalyptusbäume klar ausmachen kannst, wird es Zeit, die Fender auszubringen.“ Ihr ätherischer Duft mischt sich an heißen Tagen mit der salzigen Brise – ein Aroma, das man so schnell nicht vergisst.

Landgang auf der „Insel der Blumen“

Sobald das Dinghy am Kai festgemacht ist, versteht man, warum Ilovik den Beinamen „Insel der Blumen“ trägt. Da die Insel komplett autofrei ist, gehört der Platz den Pflanzen. Oleander, Rosen und Bougainvilleen überwuchern die Mauern der alten Steinhäuser.

Hinter dieser Pracht steckt ein jahrzehntelanger, liebevoller Stolz der Inselfrauen. Man sagt, wer hier keinen blühenden Garten vorweisen kann, hat den Respekt der Nachbarschaft verspielt. Das Ergebnis ist eine Farbenexplosion, die Ilovik zu einem wirklich unglaublich fotogenen Stopp in unserer Inselwelt macht!

Die „Amerikaner“ von der Riva

Setzt man sich dann abends an die Mole oder in die Konoba, schnappt man oft ein kurioses Sprachenwirrwarr auf. Neben dem lokalen Dialekt hört man auffällig viel Englisch – oft mit einem unverkennbaren New Yorker Einschlag.

Ilovik hat eine bewegte Geschichte: In den 50er und 60er Jahren wanderten viele Bewohner in die USA aus (viele nach Astoria oder San Pedro). Doch das Herz blieb auf der Insel. Heute kommen die Nachfahren der Auswanderer jeden Sommer zurück. Diese „Amerikaner“ haben ihre alten Elternhäuser mit viel Liebe (und Dollars) in prachtvolle Ferienresidenzen verwandelt. Es verleiht Ilovik ein fast mondänes, internationales Flair, ohne dass die ursprüngliche Fischerdorf-Gemütlichkeit verloren geht.

Skipper-Check: Tipps für deine Crew

KategorieInfo für Nautiker
AnlegenZahlreiche Bojen im geschützten Kanal; Plätze an der Riva für Yachten mit geringem Tiefgang. Details findet ihr in der einschlägigen Literatur.
SehenswertKurzer Trip mit dem Dinghy nach Sveti Petar – dort liegt der Inselfriedhof inmitten von Klosterruinen.
VersorgungKleiner Laden für Proviant; das frische Brot duftet morgens herrlich durch den ganzen Ort.
Nautik-TippDie Strömung im Kanal kann bei Gezeitenwechsel spürbar sein – beim Anlegen an der Boje kurz beachten.

Ilovik ist der Ort, an dem man eigentlich nur eine Nacht bleiben wollte und am Ende drei Tage später immer noch an der Mole liegt. Zwischen den Eukalyptusbäumen der Seefahrer, dem Blumenmeer der Daheimgebliebenen und den Geschichten der Rückkehrer aus Übersee findet man hier das, was das “Urlaubs-Segeln” eigentlich ausmacht:
Ankommen und die Seele baumeln lassen.

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