Ein Ort wird nicht nur durch seine Mauern oder die Menschen geprägt, die ihn besuchen. Manchmal ist es eine leise, vierbeinige Seele, die zum eigentlichen Herzstück eines Gemeinschaftszentrums wird. In Pula, im bekannten Kulturzentrum Karlo Rojc, ist nun eine Ära zu Ende gegangen: Nach 20 Jahren „Dienstzeit“ hat die Katze Betmenica ihre letzte Reise angetreten.
Wer war Betmenica? Nicht Bruce Wayne, aber eine echte Superheldin
Ihr Name rührte von der markanten schwarzen Zeichnung in ihrem Gesicht her, die fast perfekt an die Maske des Superhelden Batman erinnerte. Doch wer sie kannte, wusste: Sie war kein zurückhaltender Milliardär, sondern eine echte pankerska duša – eine Punk-Seele. Mit ihrem eigenwilligen Charakter und ihrem stolzen Auftreten eroberte sie das ehemalige Militärgebäude im Sturm und machte es zu ihrem persönlichen Königreich.
Der Alltag einer Königin: Zwischen „Dnevni boravak“ und Nachtwache
Betmenica war eine Meisterin der Planung. Sie kannte die Öffnungszeiten der verschiedenen Vereine und Ateliers im Rojc besser als mancher Mitarbeiter:
- Der Abendplan: Wenn es dämmerte, zog sie sich meist in den „Dnevni boravak“ (das „Wohnzimmer“ des Rojc) zurück, weil dieser bis spät geöffnet war und dort immer Trubel herrschte.
- Die Nachtschicht: Sobald dort die Lichter ausgingen, suchte sie den Infopunkt auf, um die Nachtwächter bei ihrer Schicht zu begleiten.
- Das Revier: Tagsüber sah man sie oft in typischen Posen: beim Sonnenbaden auf den Dächern der geparkten Autos vor dem Eingang oder beim Abkühlen auf den Steinstufen.
Eine Katze mit Prinzipien (und eigenem Instagram-Fame)
Betmenica war keine gewöhnliche Hauskatze. Sie war unabhängig und forderte ihren Respekt ein. Sie war so sehr Teil der Identität des Rojc, dass ihr sogar ein eigener Social-Media-Auftritt gewidmet wurde. Auf ihrem Instagram-Kanal @batman_the_rojc_cat können Fans und Wegbegleiter auch heute noch durch hunderte Schnappschüsse ihres Lebens stöbern – von herrschaftlichen Posen auf Schreibtischen bis hin zu entspannten Nickerchen inmitten des kulturellen Chaos.
- Hunde? Nein danke: Neue Hunde im Gebäude wurden von ihr oft mit einem gezielten Blick in die Schranken gewiesen. Sie sorgte eigenhändig dafür, dass sie die einzige „Regentin“ auf vier Pfoten blieb.
- Die kulinarische Tour: Sie wusste genau, wo es die besten Leckerbissen gab. Sie spazierte von Raum zu Raum, miaute kurz und „erbeutete“ sich so bei den Künstlern ihre täglichen Rationen.
20 Jahre Zeitgeschichte auf vier Pfoten
Sie kam ins Rojc, als die alten Kasernen gerade erst begannen, sich in ein pulsierendes Zentrum für Kultur und Zivilgesellschaft zu verwandeln. Zwei Jahrzehnte lang war sie die stille Beobachterin von unzähligen Konzerten, Proben und Ausstellungen. Sie gehörte niemandem und doch gehörte sie allen.
Ein Abschied voller Wehmut
Nach 20 Jahren – ein stolzes Alter für eine Katze, die die Freiheit des Rojc so sehr liebte – ließen ihre Kräfte nach. Ihr Tod markiert für viele in Pula das Ende eines Kapitels. Sie war das Symbol für den freien Geist des Zentrums: unabhängig, eigenwillig, ein bisschen rebellisch und unendlich loyal gegenüber ihrer Gemeinschaft.
Fazit: Was bleibt?
Wenn ihr das nächste Mal am Karlo Rojc vorbeifahrt oder die Stufen zu den Ateliers hinaufsteigt, haltet kurz inne. Vielleicht sieht man im Geiste noch den Schatten einer Katze mit Batman-Maske, die auf einem Autodach thront und über ihr Reich wacht. Wer sie vermisst, kann jederzeit auf ihrem Instagram-Profil vorbeischauen und in Erinnerungen schwelgen.
Mach’s gut, Betmenica. Deine Punk-Seele wird in den Fluren des Rojc weiterleben.

