Istrische Kleinstädte haben einen ganz besonderen Charme – und Vodnjan bildet da absolut keine Ausnahme! Wer durch das Labyrinth aus engen Kopfsteinpflastergassen spaziert, vorbei an faszinierenden Wandmalereien (Murals) und alten steinernen Fassaden, in denen die Zeit stillzustehen scheint, wird unweigerlich von der Geschichte dieses Ortes in den Bann gezogen. Jedes Gebäude hat hier seine eigene Erzählung. Eines der bedeutendsten Bauwerke, das ihr bei eurem nächsten Istrien-Trip auf keinen Fall verpassen solltet, ist der Palast Bettica (Palača Bettica).
Eine Reise in die Vergangenheit: Die Ursprünge der Familie Bettica
Der wunderschöne gotische Palast, der sich an der Kreuzung der Straßen Castello und Portarol befindet, stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert. Seinen heutigen Namen verdankt er jedoch der mächtigen Adelsfamilie Bettica, die das Gebäude im 16. Jahrhundert übernahm.
Die Geschichte dieser Familie ist fast so spannend wie der Palast selbst: Es wird vermutet, dass die Betticas im 12. Jahrhundert aus dem spanischen Andalusien (aus einem Ort namens Boetica) nach Italien kamen. In Verona erhielten sie einen Adelstitel und ließen sich später in Istrien nieder. Ein witziges Detail am Rande: Wegen der Ähnlichkeit ihres Familiennamens mit der Pflanze Betonie nahmen sie diese kurzerhand in ihr Familienwappen auf! Bevor sie sich im heutigen Palast Bettica niederließen, lebten sie bereits in anderen herrschaftlichen Häusern in Vodnjan, an deren Fassaden man noch heute ihre Wappen entdecken kann.
Vom langsamen Verfall zur dramatischen Rettung
Wie so viele historische Bauwerke hatte auch der Palast Bettica stürmische Zeiten zu überstehen. In der zweiten Hälfte des 19. und im frühen 20. Jahrhundert wechselte das Gebäude extrem häufig den Besitzer. Es wurde rücksichtslos umgebaut, in einzelne Wohnungen aufgeteilt und die Räumlichkeiten im Erdgeschoss wurden völlig zweckentfremdet.
Die Rettung des kulturellen Erbes kam erst in den 1930er Jahren in Form von Alberto Bettica, einem Nachkommen der Familie aus Turin. Er reiste 1931 nach Vodnjan, kaufte einen Teil des Gebäudes auf und sorgte dafür, dass der Palast direkt im Kaufvertrag offiziell zum geschützten Kulturdenkmal erklärt wurde. Nach langjährigen, aufwendigen Restaurierungsarbeiten, die erst 2008 ihren Abschluss fanden, erstrahlt die Palača Bettica heute wieder in ihrem wohlverdienten, alten Glanz.
Was gibt es im Palast Bettica zu sehen?
Heute beherbergt der Palast das Museum der Stadt Vodnjan und bietet auf drei faszinierenden Etagen einen einmaligen Einblick in die materielle Geschichte der Region und des Bauwerks:
- Das Erdgeschoss: Hier können Geschichtsinteressierte wertvolle archäologische Funde aus frühmittelalterlichen Kirchen der Umgebung bewundern, darunter beeindruckende Relikte aus den alten Sakralbauten St. Simeon, St. Cäcilia und St. Severin in der Nähe von Guran.
- Der erste Stock: Kunstliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten! Ausgestellt wird eine kostbare Gemäldesammlung mit 19 Werken (hauptsächlich Stillleben, Porträts und Schlachtszenen aus dem 17. und 18. Jahrhundert). Diese wurden der Stadt Vodnjan im Jahr 1818 von dem venezianischen Maler Gaetano Gresler vermacht.
- Der zweite Stock: Diese Etage ist dem Palast selbst, seiner Architektur und Geschichte gewidmet. Sie dokumentiert die Restaurierungsarbeiten der letzten Jahrzehnte. Ein absolutes Highlight: Bei den Arbeiten wurden hier Überreste einer originalen Wandmalerei aus der Renaissance entdeckt!
Praktische Infos für euren Besuch
Das Museum öffnet seine Pforten für die reguläre Saison traditionell in den Wochen nach Ostern. In den heißen Sommermonaten (Juli und August) ist der Palast meist zweigeteilt geöffnet, um die Mittagshitze zu umgehen (z. B. täglich von 9:00 bis 13:00 Uhr und abends von 18:00 bis 20:00 Uhr). Das absolut Beste daran: Der Eintritt ist oft völlig kostenlos! (Für Gruppenbesuche außerhalb der regulären Öffnungszeiten ist eine vorherige Anmeldung beim Tourismusbüro oder der Stadt empfehlenswert).
Wenn ihr Istrien abseits der überfüllten Strände erleben und echte istrische Kultur schnuppern möchtet, plant unbedingt einen Nachmittag in Vodnjan ein. Der Palast Bettica ist ein wunderbares Paradebeispiel dafür, wie architektonische Schätze mit viel Liebe und Engagement für die Nachwelt bewahrt werden können.
