Abseits der Massen: Warum du von der Insel Rivanj wahrscheinlich noch nie gehört hast

Kroatien hat über 1.000 Inseln. Die meisten Reisenden zieht es nach Hvar, Brač oder Korčula. Doch während sich in den Gassen von Split und Dubrovnik die Postkarten-Idylle mit Kreuzfahrt-Tourismus mischt, gibt es sie noch: die Orte, an denen die Welt vor Jahrzehnten einfach aufgehört hat, sich zu beeilen.

Einer dieser Orte ist Rivanj. Eine winzige Insel im Zadar-Archipel, die so unscheinbar auf der Seekarte wirkt, dass selbst eingefleischte Kroatien-Fans oft an ihr vorbeifahren. Warum du diesen Ort trotzdem (oder gerade deshalb) auf dem Schirm haben solltest, verraten wir dir hier.

1. Ein Dorf, zwei Nachnamen

Die Geschichte von Rivanj klingt fast wie ein Märchen: Im 16. Jahrhundert siedelten sich Nachfahren der Familie Radulić von der Insel Ugljan hier an. Das Faszinierende? Bis heute tragen fast alle der rund 30 ständigen Einwohner entweder den Nachnamen Radulić oder Fatović. Wenn du hier jemanden nach dem Weg fragst, stehen die Chancen gut, dass du gerade mit einem Mitglied der „Insel-Gründerfamilie“ sprichst. Diese tiefe Verwurzelung sorgt für eine Atmosphäre, die man in keinem Hotelresort der Welt kaufen kann.

2. Luxus bedeutet hier: Absolute Stille

Auf Rivanj suchst du vergeblich nach Autos, Diskotheken oder Souvenirshops. Die Insel ist gerade einmal 3,6 Quadratkilometer groß – ein grüner Fleck im azurblauen Meer, auf dem das lauteste Geräusch das Zirpen der Grillen ist. Wer hierherkommt, betreibt „Robinson-Tourismus“ mit Seele. Es gibt keine asphaltierten Hauptstraßen, nur schmale Pfade, die sich durch die duftende Macchia-Landschaft schlängeln.

3. Der Logenplatz über der Adria

Das Herz der Insel ist der alte Ortskern auf dem Hügel. Ein kurzer Aufstieg führt dich zur Kapelle der Heiligen Helena (Sveta Jelena). Von dort oben hast du einen Panoramablick, der dir den Atem rauben wird: Vor dir glitzert der Zadar-Kanal, im Hintergrund siehst du die Silhouette der Stadt Zadar und die umliegenden Inseln Sestrunj und Ugljan. Besonders zum Sonnenuntergang ist dieser Ort ein echter Kraftplatz.

4. Ein Paradies für Entdecker (und Fischer)

Rivanj ist unter Kennern als eines der fischreichsten Reviere der Region bekannt. Das Wasser im Rivanjski-Kanal ist so klar, dass man oft bis zum Grund sehen kann. Für Schnorchler und Taucher ist die unberührte Unterwelt ein Traum. Wenn du Lust auf Geschichte hast, kannst du die Überreste einer alten illyrischen Festung (Vela Glava) suchen oder die Ruinen der mittelalterlichen Kirche der Hl. Barbara erkunden.

Praktische Tipps für dein Abenteuer:

  • Selbstversorgung ist Pflicht: Es gibt ein winziges Geschäft für das Nötigste, aber keine große Gastronomie. Pack dir ausreichend Vorräte ein – ein Picknick am Strand von Lokvina oder Dubrinka schmeckt ohnehin besser als jedes Restaurant-Essen.
  • Anreise: Die Fähren und Katamarane der Linie Jadrolinija verbinden Rivanj täglich mit Zadar (Hafen Gaženica). Die Fahrt dauert je nach Verbindung zwischen 35 und 80 Minuten.
  • Wanderschuhe einpacken: Auch wenn die Insel klein ist, lohnt sich festes Schuhwerk für den Weg zum Gipfel Lokoćin (112 m).

Rivanj ist kein Ort für Menschen, die „bespaßt“ werden wollen. Es ist ein Ort für jene, die die Stille aushalten und die Einfachheit lieben. Wenn du wissen willst, wie sich Kroatien vor dem großen Tourismus-Boom angefühlt hat, dann ist Rivanj genau das Ziel, von dem du bisher zwar noch nie gehört hast, das du aber nie wieder vergessen wirst.

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