Es gibt kaum etwas Schöneres, als den Tag nach einem herrlichen Segeltörn in einer kroatischen Marina oder an einer urigen Mole ausklingen zu lassen. Der Grill war an, der lokale Wein schmeckt hervorragend, und die Müdigkeit klopft langsam an. Man lässt die Reste des Abendessens „nur mal kurz“ auf dem Tisch stehen oder die Mülltüte im Cockpit, um sie am nächsten Morgen zu entsorgen.
Doch genau hier beginnt das Problem. Während wir in den Kojen verschwinden, beginnt für die heimlichen Bewohner der Hafenmauer die Schichtarbeit.
Die Akrobaten der Nacht
Wir sprechen von einem Gast, den niemand auf seiner Gästeliste hat: der Ratte. Marinas und alte Steinsteg-Anlagen sind natürliche Lebensräume für diese Tiere. Sie sind extrem intelligent, hervorragende Kletterer und – was viele unterschätzen – wahre Akrobaten und gute Schwimmer.
Eine Ratte braucht keine Gangway, um an Bord zu kommen. Ihr reicht eine Mooring-Leine oder eine achtern ausgebrachte Landleine. Wie auf einem Drahtseil balancieren sie zum Schiff, angelockt von ihrem extrem ausgeprägten Geruchssinn.
Warum ein kleiner Rest Pizza zur teuren Reparatur führt
Es ist nicht nur der hygienische Aspekt. Das eigentliche Problem ist der Nagetrieb:
- Der Geruch zieht sie an: Offene Lebensmittel oder Müll sind wie ein Leuchtturm in der Dunkelheit.
- Teure Folgeschäden: Einmal an Bord, knabbern Ratten oft die Isolierung von Elektrokabeln an. Ein durchgenagtes Kabel in der Bordelektronik zu finden, kann die Urlaubskasse massiv belasten.
Der Ernstfall: Was tun, wenn die Ratte an Bord ist?
Wenn du nachts dieses charakteristische Kratzen in den Bordwänden hörst, ist schnelles Handeln gefragt. Aber Vorsicht: Ein falscher Schritt kann das Problem für Wochen verschlimmern.
Wichtigste Regel: die Ratte ist ein Fluchttier! Wenn möglich, gib ihr die Chance von Bord zu flüchten!
Finger weg von Rattengift!
Benutze unter keinen Umständen Gift an Bord. Ratten sterben daran nicht sofort. Sie ziehen sich zum Sterben in die dunkelsten, unzugänglichsten Winkel zurück – tief in die Bilge oder hinter fest verbaute Schränke.
Die Folge: Das Tier verwest dort, wo du niemals herankommst. Der bestialische Geruch zieht in das gesamte Holz und die Polster ein und macht das Leben auf dem Boot für Wochen unmöglich.
Kurz-Zusammenfassung: Der richtige Schlachtplan
Wenn du den Nager loswerden willst, setze auf mechanische Lösungen statt auf Chemie:
- Versuche sie nicht zu fangen – gib der Ratte die Möglichkeit von Bord zu flüchten! Oft hilft ein ausgedehnter Spaziergang der ganzen Crew!
- Mechanische Schlagfallen: Das ist die effektivste Methode. Sie fixiert das Tier sofort an Ort und Stelle, sodass du es direkt entsorgen kannst.
- Der beste Köder: Vergiss den Käse! Ratten lieben Erdnussbutter oder Nutella. Es klebt an der Falle, sie müssen daran arbeiten und lösen den Mechanismus so zuverlässig aus.
- Die richtige Platzierung: Ratten laufen an Wänden entlang. Stelle die Fallen in Backskisten, hinter den Niedergang oder direkt an die Bordwand in dunklen Ecken.
- Hygiene danach: Reinige die Fundstelle mit chlorhaltigem Reiniger, da Ratten Kot und Urin hinterlassen, die Krankheiten übertragen können.
Vorbeugung ist der beste Schutz
Damit es gar nicht erst so weit kommt, halte dich an die goldenen Regeln: Tisch abwischen, Lebensmittel in feste Boxen und Müll niemals über Nacht draußen lassen.
Ein Tipp aus der Praxis: Vertraue nicht darauf, dass dein Boot weit genug vom Steg weg liegt. Eine Ratte ist eine exzellente Schwimmerin. Sauberkeit an Deck ist deine beste Versicherung.
