Die rote Erde unserer Inseln: sie bringt die Würze in die Kräuter und das Olivenöl!

Wer die dalmatinische Inselwelt, insbesondere die kargen Landschaften von Inseln wie Žut oder den Kornaten, analysiert, stößt unweigerlich auf einen markanten Kontrast: das kräftige Rot der Erde gegen den hellen Karstkalkstein. Diese als Terra Rossa (lokal Crvenica) bekannte Bodenart ist weit mehr als ein optisches Merkmal; sie ist eine entscheidende Komponente für die lokale Landwirtschaft und das Ökosystem.

Entstehung und geochemische Zusammensetzung

Terra Rossa ist ein sogenannter Reliktboden, der über Jahrtausende durch die Verwitterung von Kalkstein und Dolomit entstanden ist. Während das Calciumcarbonat des Gesteins durch kohlensäurehaltiges Regenwasser gelöst und abtransportiert wird, bleiben die unlöslichen mineralischen Bestandteile zurück.

  • Mineralogie: Die charakteristische Farbe resultiert aus einer Anreicherung von Eisenoxiden, primär Hämatit ($Fe_2O_3$). Zusätzlich weist der Boden hohe Konzentrationen an Aluminiumoxiden und Silikaten auf.
  • pH-Wert: Im Gegensatz zum stark alkalischen Ausgangsgestein (Kalkstein) ist Terra Rossa meist neutral bis leicht sauer. Dies begünstigt die Verfügbarkeit von Mikronährstoffen, die für das Pflanzenwachstum essenziell sind.

Physikalische Eigenschaften und Wasserhaushalt

Für die Vegetation auf wasserarmen Inseln wie Žut spielt die Bodenstruktur eine lebenswichtige Rolle. Terra Rossa ist ein schwerer, tonhaltiger Boden mit spezifischen hydrologischen Vorteilen:

  1. Hohe Speicherkapazität: Aufgrund des hohen Tonanteils kann die Erde Feuchtigkeit über lange Zeit binden. In den niederschlagsarmen Sommermonaten dient sie als essentielles Wasserreservoir für tiefwurzelnde Pflanzen.
  2. Drainage durch Karstspalten: Die Erde lagert meist in sogenannten Karsttaschen oder Dolinen. Überschüssiges Wasser kann durch das darunterliegende, klüftige Kalkgestein abfließen, was Staunässe verhindert und eine optimale Durchlüftung der Wurzeln ermöglicht.

Landwirtschaftliche Bedeutung auf unseren Inseln

Auf den Inseln ohne permanente Wasserversorgung oder industrielle Infrastruktur wie dem Kornati Archipel, bestimmt die Terra Rossa die Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Die Kombination aus mineralstoffreichem Boden und klimatischem Stress führt zu einer hohen Konzentration von Inhaltsstoffen in den Pflanzen.

  • Olivenbau: Die Olivenbäume nutzen die in den Felstaschen konzentrierte Crvenica. Die hohe Eisenverfügbarkeit und Mineralität spiegeln sich in der chemischen Zusammensetzung des Öls wider, das oft eine markante Schärfe und einen hohen Anteil an Antioxidantien (Polyphenolen) aufweist.
  • Weinbau und Kräuter: Auch Rebsorten wie der Plavac Mali sowie Wildkräuter (Salbei, Rosmarin) profitieren von der thermischen Speicherfähigkeit des Bodens, der die Tageswärme bis in die Nachtstunden hält und so die Reife sowie die Ausbildung ätherischer Öle fördert.

Die rote Erde ist das Ergebnis langwieriger geologischer Transformationsprozesse. Sie bildet die stoffliche Grundlage für die hohe Qualität dalmatinischer Naturprodukte. Auf den kargen Inseln der Adria ist sie die wichtigste Ressource, die den Anbau hochwertiger Lebensmittel unter extremen klimatischen Bedingungen überhaupt erst ermöglicht.

Also liebe Skipper: wenn ihr euch das nächste Mal über das rote Schuhwerk eurer Gäste, die vom Landausflug zurückkommen ärgert:
auch wenn die Erde wirklich schwer vom weißen GFK wegzubringen ist, ohne sie würde es unser Inseln in dieser Form nicht geben!

Rote Erde vor der Kirche auf der Insel Žut

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