Wer mit seinem Boot oder einer Yacht irgendwo in Kroatien anlegt, tut dies meist an einer der tausenden Steinmolen unserer Küste.
Diese Molen sind das Rückgrat des nautischen Verkehrs – ohne sie ginge schlicht und ergreifend nichts!
Doch darüber hinaus steht hinter jedem dieser Bauwerke eine faszinierende Geschichte, die von antiken römischen Geheimnissen bis hin zu modernster Unterwasser-Technik reicht.
1. Das Erbe der Antike: Bauen für die Ewigkeit
Lange bevor es moderne Bagger gab, wussten die Menschen an der Adria, wie man dem Meer Land abtrotzt. Viele der Fundamente, auf denen wir heute in Städten wie Split oder Zadar stehen, sind über 2.000 Jahre alt.
- Der römische „Unterwasser-Zauber“: Die Römer erfanden den Opus Caementicium. Durch die Mischung von Kalk mit vulkanischer Asche entstand ein Beton, der unter Wasser nicht zerfällt, sondern steinhart wird.
- Das Suhozid-Prinzip: Viele kleinere Dorf-Molen wurden ohne einen Tropfen Mörtel gebaut. Die Steine wurden im Trockenbau-Stil so verkeilt, dass der Druck der Wellen sie nur noch fester zusammenpresste.
- Holzpiloten: In weichen Böden rammte man Eichenstämme in den Grund. Da diese unter Wasser nicht verrotten, bilden sie bis heute ein unzerstörbares Gerüst.
2. Der moderne Bau: Präzision unter der Wasseroberfläche
Heute nutzen wir zwar schwere Maschinen, aber das Prinzip der Stabilität bleibt gleich. Ein moderner Molenbau ist ein logistisches Meisterwerk, das meist in drei Phasen abläuft:
Das Fundament (Der unsichtbare Teil
Bevor der erste Stein sichtbar wird, müssen Taucher ran. Der Meeresboden wird ausgehoben (ausgekoffert), bis eine tragfähige Schicht erreicht ist. Darauf wird ein Schotterbett aus grobem Kalkstein planiert. Dieses Bett dient als elastisches Polster, damit die Mole bei Erdbewegungen oder schwerem Seegang nicht reißt.
Die „Kastel“-Bauweis
Statt kleiner Steine werden heute riesige Betonfertigteile (Kastelle) verwendet. Diese tonnenschweren Blöcke werden mit Schwimmkränen wie Lego-Steine aufeinandergestapelt.
Wichtig: Profis lassen dabei kleine Kanäle im Bauwerk frei. Diese dienen als Druckausgleich, damit die Energie der Wellen im Inneren der Mole entweichen kann.
Das Gesicht der Mole: Naturstein
Damit die Mole nicht wie ein grauer Klotz aussieht, wird sie mit traditionellem Bračer Kalkstein verkleidet. Die Steinmetze bearbeiten die Oberfläche oft so, dass sie „gehämmert“ und damit rutschfest ist – ein Segen für jeden Skipper, der bei Regen die Leinen festmacht.
3. Der Schutzwall gegen Bura und Jugo
An der Außenseite einer Mole sieht man oft eine wilde Schüttung aus riesigen, unregelmäßigen Felsbrocken. Das ist die sogenannte Sekundärpanzerung. Diese Brocken sind absichtlich nicht glatt verlegt. Ihre unregelmäßige Form bricht die Wucht der anrollenden Wellen und zerstreut die Energie, bevor sie die eigentliche Mole erreichen kann.
4. Rechtliches: Das „Pomorsko dobro“
Wer in Kroatien eine Mole bauen will – ob privat oder für eine Marina – stößt schnell auf den Begriff „Pomorsko dobro“ (Maritimes Gut). In Kroatien gehört der Küstenstreifen grundsätzlich dem Staat. Bauvorhaben unterliegen extrem strengen Umweltauflagen und Konzessionspflichten. Jede neue Mole muss so konzipiert sein, dass sie die Meeresströmungen nicht negativ beeinflusst.
Egal ob eine Mole 2.000 Jahre alt ist oder erst letztes Jahr mit dem Kran gesetzt wurde: Sie ist das Versprechen an uns Skipper, dass unser Boot sicher liegt.
Wenn ihr das nächste Mal im Hafen spazieren geht, schaut euch einmal in Ruhe diese oft riesigen, archaischen Bauwerke an. Ein gutes Beispiel dafür, was alles nötig ist, um der unbändigen Kraft des Wassers zu trotzen!
