Viele von uns haben es im Sommer 2024 selbst erlebt: Das Phänomen des „Meeresrotz“ (kroatisch: morska sluz) trübte das Badevergnügen und stellte Fischer sowie Bootsbesitzer vor Herausforderungen. Doch was genau steckte hinter dieser massiven Ausbreitung? Wissenschaftler des Instituts Ruđer Bošković (IRB) haben nun die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlicht:
“Es handelt sich dabei nicht um eine Verschmutzung durch Abwasser, sondern um ein natürliches, wenn auch extremes biologisches Phänomen. Es entsteht durch die Vermehrung von Phytoplankton (kleinsten Algen), die unter bestimmten Bedingungen große Mengen an organischem Material – einen klebrigen Schleim – ausscheiden”, so die Wissenschaftler.
Die Forscher identifizierten eine seltene Kombination aus meteorologischen und ozeanographischen Faktoren, die als „perfekter Katalysator“ für die Schleimbildung fungierten:
- Rekordverdächtige Flussmengen (Der Po-Effekt): Bereits im Frühjahr führten der Fluss Po und andere italienische Flüsse enorme Mengen an Süßwasser in die nördliche Adria. Dieses Wasser war reich an Nährstoffen (Stickstoff und Phosphor), die wie Dünger für die Algen wirkten.
- Ungewöhnlich hohe Meerestemperaturen: Die Adria erwärmte sich 2024 viel früher und stärker als üblich. Diese Wärme beschleunigte den Stoffwechsel der Algen massiv.
- Stagnation und Schichtung: Es fehlten starke Winde (wie die Bura), die das Wasser hätten durchmischen können. Dadurch bildete sich eine stabile Schichtung: Oben warmes, nährstoffreiches Süßwasser, darunter das kühlere Salzwasser. In dieser stabilen „oberen Schicht“ konnten sich die Algen ungehindert ausbreiten und den Schleim produzieren.
Die gute Nachricht: Für den Menschen ist der Schleim nicht giftig.
Er ist jedoch ein ästhetisches Problem und kann für die Meeresfauna am Boden gefährlich werden, wenn er absinkt und dort den Sauerstoff verbraucht.
